CODA Dessertbar

Für mich persönlich ist es ein vor gut einem Jahr wahr gewordener Traum: ein ganzes fine Dining Menü nur bestehend aus Desserts! Und dazu super edle Drinkpairings, von denen jedes einzelne Getränk schon ein kleines Kunstwerk darstellt! So gut! Und so unverständlich, dass das Konzept der CODA Dessertbar so außergewöhnlich ist. Warum sollte man nur tagsüber Appetit auf etwas Süßes haben? Wie oft hat mich nachts schon das Verlangen umgetrieben, auszugehen und irgendwo ein tolles Dessert zu genießen, doch Cafés haben dann schon geschlossen, in ein Restaurant gehen und nur ein Dessert bestellen kommt meist auch nicht so gut an und in Bars erhält man allenfalls versalzene Erdnüsse... Und da haben wir den zweiten Regelbruch, den CODA glücklicherweise begeht: alkoholische Getränke können durchaus aller bestens zu Süßspeisen passen, man muss dazu nicht ausschließlich salzige Knabbereien reichen. In vielen ganz klassischen Desserts gehört ja auch Alkohol zum Rezept, warum also nicht auch einen Cocktail dazu genießen? Und warum haben Dessertweine so ein angestaubt-altmodisches Image?

CODA räumt da mal ordentlich auf, sprengt Konventionen, aber ohne gewaltsam mit schrägen Geschmackskombinationen irritieren und spektakulären Neuheiten übers Knie brechen zu wollen, sondern mit Bedacht und dem unbedingten Drang zu höchster Qualität und Perfektion in Küche und Bar. Mastermind hinter all dem, Patissier René Frank verzichtet selbstverständlich auf künstliche Aromen und Farbstoffe und den übermäßigen Gebrauch von Zucker. Er versteht es, die natürliche Süße der Zutaten zur vollen Geltung kommen zu lassen, auch wenn er Gemüse verwendet, die man hierzulande nicht unbedingt mit etwas Süßem assoziiert. Das ist schließlich auch alles eine Frage von Gewohnheiten, in Asien ist es völlig normal gesüßtes Bohnenmus in Küchlein zu füllen, während in Mexiko herzhafte Schokoladensoße zu Fleischgerichten genossen wird und im übrigen ist z.B. die Tomate eigentlich ja eine Frucht, kein Gemüse...
Vergessen wir einfach mal für einen Moment, wie wir Auberginen sonst zu uns nehmen und lassen uns auf das Gaumenabenteuer ein, das das CODA uns bietet, indem es die Auberginen karamelisiert und mit Lakritze und Apfelbalsamico zu einer aromenakrobatischen Meisterleistung vereint.
Oder wenn die geheimnisvolle schwarze Haube gehoben wird, unter der eine angenehm holzige Rauchwolke die fantastische Kreation aus purem Kakao, Pflaume und Zichorie (ja, genau die hierzulande wie Unkraut am Wegesrand wachsende Verwandte des Chicoreesalats, die sich auch in Malzkaffees gerne wiederfindet) aromatisiert hat.
Zu jedem Dessert wird ein Drinkpairing empfohlen, das das Geschmackserlebnis noch vervollkommnet.
Man kann um 19 Uhr kommen und sich das Sechs-Gänge-Menü gönnen, man kann aber auch ab 22 Uhr als Kostprobe nur ein oder zwei Desserts auswählen. Zum entsprechenden Drinkpairing (wahlweise mit oder auch ohne Alkohol) sei allerdings geraten, schließlich hat der Chef sich viel dabei gedacht und er hat einen unschlagbaren Sinn für ein feines Zusammenspiel.

Aber auch die Cocktails alleine, ohne Essen, funktionieren ganz wunderbar. Auch hier werden nur die feinsten Zutaten gewählten, die es vermögen, die Geschmacksknospen zuerst stutzig, dann orgiastisch werden zu lassen. Mit viel Aufwand wird z.B. eine leuchtend grüne Essenz aus frischen Pandanblättern gewonnen, oder Yuzusake mit Stickstoff zu einem herrlichen Sorbet schockgefrostet, das mit Birnenschaumwein aufgegossen wird, oder frischer, herber Rote Beetesaft mit dem lieblichen Bouquet von Himbeeren und betörend nach Zuckerrohr duftendem Cachaça vereint.

Das CODA bietet eine sehr moderne kulinarische Weltreise, von alten, fast vergessenen hiesigen Ingredienzien, bis hin zu exotischen und obskuren Kräutern und Spirituosen, all das dargeboten mit höchster Kunstfertigkeit und durchgeführt mit den Techniken eines Sterne-gekrönten Meisterpatissiers.

Auch dem Gault Millau ist soviel Innovationsgeist und Gespür für Geschmacksexplosionen nicht entgangen. Zum Glück (und meinem Erstaunen) ist die CODA Dessertbar trotzdem nicht monatelang im Voraus ausgebucht, Walk-ins sind willkommen und trotz aller Eleganz in Glas, Teller und dem schwarz-gold dominierten Interieur ist die Atmosphäre nicht steif, sondern warm und der Service sehr zuvorkommend. Größer könnte der Kontrast zur winterlich düster-grauen Neuköllner Friedelstraße kaum sein, wenn man das CODA betritt um sich mit allen Sinnen verwöhnen zu lassen.

Coda Dessertbar
Friedelstr. 47 (hier clicken für Google Maps)
Berlin - Neukölln

Tel: 030 91496396

Offen:
Di bis Sa: 19 Uhr bis spät

U Hermannplatz

MàM - Contemporary Thai Street Food

Es scheint mir nur mehr als recht, das neue Jahr mit einer überraschenden Neueröffnung aus dem letzten Jahr in meiner Nachbarschaft zu beginnen. Seit September gibt es im MàM auf der Schönhauser Allee moderne thailändische Küche, speziell Street Food mit besonderem Twist. Klassiker wie Pad Thai sind hier nicht einfach gewöhnliche, gebratene Nudeln, sondern raffiniert gewürzte Reisbandnudeln mit Tamarindensauce, nicht zu ölig, mit frischen Kräutern, Limette, Erdnüssen und einem panierten wachsweichen Ei, und gebackenem Tofu (oder nach Wahl Garnelen oder Hühnchen). Als besonders wärmend bei dem momentanen S***wetter erweist sich die pikante Kokosmilchsuppe Khao Soi mit Weizennudeln, einige davon knusprig frittiert. Alles kommt sehr geschmackvoll angerichtet, und das ist durchaus zweideutig gemeint, in schönem Geschirr und mit offensichtlich knackig frischen Zutaten daher.

Ganz unwiderstehlich ist auch der Matcha Cheesecake mit Erdnussparfait und Mangosoße als Dessert. Dieses köstliche Zusammenspiel frischer, herber und süßer Aromen und unterschiedlicher Konsistenzen sollte man sich auf gar keinen Fall entgehen lassen.
MàM - Contemporary Thai Street Food
Schönhauser Allee 74 [hier clicken für Google Maps]
Berlin - Prenzlauer Berg
Tel: 030 40746179

Offen:
Mo - Fr: 12 - 23 Uhr
Sa - So: 14 - 23 Uhr

Der Vegetarische Metzger

Normalerweise bin ich ja eher skeptisch bis bestenfalls amüsiert, wenn es um vegetarische Fleischimitate geht. Braucht man das wirklich, Vöner, Seitanhuhn, Tofu-Chorizo, Lupinenschnitzel? Es gibt doch so viel tolles Gemüse, Pilze, Hülsenfrüchte etc, und ich vermisse Würste und Braten ja überhaupt nicht. Vielleicht auch weil ich schon als Kind aufgehört habe, Fleisch zu essen. Wer erst im Erwachsenenalter zum Vegetarier oder Veganer geworden ist, trauert all dem wohl eher nach und Fleischesser können sich eine Ernährung ohne ja oft garnicht vorstellen. Dies ist sicher auch eher die Zielgruppe für den Concept Store und Imbiss Der Vegetarischen Metzger in Kreuzberg.
Allerdings muss ich zugeben, auch mich haben die Produkte ehrlich überrascht und überzeugt! Geschmack und Konsistenz des vegetarischen Teriyaki Hühnchens waren super.
Die Aufschnittplatte war wie Abendessen bei Omi in Kindertagen... Die Burger sahen auch gut aus und die extra für uns testweise zubereiteten gebratenen Glasnudeln mit vegetarischen Garnelen und Hühnchen, Cashews, Wasserkastanien, Edamame, Zitronengras und Ingwer waren so lecker, das sollte auf die Karte übernommen werden!
Der Service war auch sehr nett und die Einrichtung witzig, mit Stoffwurstkette und Fleischereitheke.
Es gibt zudem eine breite Auswahl an tiefgekühlten Produkten, von veggie Hähnchenfilet und Thunfisch, über Würstchen, bis hin zu Speck, Hackfleisch und Burgerbratlingen, die man mit nach Hause nehmen und da nach Belieben zubereiten kann.
Da sie ja kein tierisches Eiweiß beinhalten halten sie sich auch aufgetaut noch einige Tage, vorausgesetzt man hält es so lange aus sie nicht zu verputzen...

Der Vegetarische Metzger
Bergmannstr. 1
Berlin - Kreuzberg

Mo-Sa: 11:30 Uhr – 22:00 Uhr
So: 13:00 Uhr – 20:00 Uhr

U Mehringdamm

Café Komine

Was wäre ein Leben ohne Kuchen...? So das Motto des Café Komine. Frei nach Loriots Mopszitat würde ich antworten: möglich aber sinnlos.
Bereits im Sommer habe ich die feinen japanisch-französischen Törtchen der Konditorei Café Komine mit absoluter Begeisterung probiert und heute erst schaffe ich es endlich mal darüber zu schreiben. Wurde aber auch Zeit, rangiert das Café Komine doch seitdem unter meinen Lieblingsplätzen in Berlin... So wunderbar raffinierte Matcha-Eclair, Yuzu-Käseküchlein, "Mont Blanc" Kastaniencreme-Törtchen, kombiniert mit so aufmerksamem Service sind nur schwer nochmal zu finden.

Das Café ist klein und in einer Ecke der Stadt gelegen, in die es mich zugegebenermaßen nur selten verschlägt, aber die Anreise lohnt sich allemal. Hier wird nach allen Regeln der Kunst gebacken und das Beste aus französischer Patisserie mit feinsten japanischen Zutaten kombiniert.

Wer es lieber klassisch französisch mag, wird auch fündig: Tarte Tatin, Tarte au Citron, Eclair a la Pistache, Mousse au Chocolat Schnitten mit Valrhona Schokolade... Ein Traum!
Ich muss seeehr bald mal wieder nach Wilmersdorf, denn was ist ein Winter ohne Kuchen und Matcha Latte? Unerträglich!

Café Komine
Welserstr. 13 -15
Berlin Wilmersdorf [clicken für Anzeige auf Google maps]

Rio Boteco in Berlin

Mein Lieblingspop-up Rio Boteco aus London kommt nun endlich auch nach Berlin! Feine brasilianische Küche und tolle Drinks mit Abelha bio Cachaça. Hier in Berlin wird es drei Abende lang, am 7., 8. und 9. September ein fantastisches Menü geben, serviert in geradezu familiärem Rahmen im hübschen, wohnzimmerartigen "The Hidden" im Prenzlauer Berg. Alle Gäste sitzen gemeinsam um den großen Tisch und das Essen wird für alle zur gleichen Zeit serviert. Gerne dürfen sich die Gäste zum Essen auch die ein oder andere Flasche Wein teilen (vom Demeter Weingut Leiner aus der Pfalz) und Caipirinha passt neben dem guten Riesling auch ganz hervorragend zum herrlichen Hauptgericht Moqueca... Hierbei handelt es sich um Fisch, oder vegetarisch mit gegrillter Kochbanane, und Gemüse in Kokosmilch und Dende Öl (das übrigens von einer kleinen, nachhaltig bewirtschafteten Farm in Bahia stammt - kein Regenwald wurde für die Ölpalmen abgeholzt). Dazu gereicht werden Reis, Farofa (Cassava) und in Cachaça eingelegte kleine Chilis aus dem Garten der Mutter der Gastgeberin aus Bahia.
Den Nachtisch zaubert Helio Fenerich, Nigella Lawsons Lieblingskoch, bekannt für seine Pop-ups und privaten Dinnerevents in London und sein letztes Jahr in Brasilien erschienenes Dessert & Kuchenrezeptbuch.
Am Samstag Morgen gibt es auch noch Brunch mit allerlei süßen & herzhaften Köstlichkeiten aus Brasilien. Und einem ganz gefährlich guten an Espresso Martini angelehnten Drink, natürlich mit Cachaça - der ideale Start in den Tag, hicks! Frühstück ist ja schließlich die wichtigste Mahlzeit des Tages...

Meiner Meinung nach ein absolutes Muss - dieses Pop-Up Restaurant wird mein September-Highlight! Lasst es Euch auch nicht entgehen, noch sind ein paar wenige Plätze frei!
Bitte unbedingt reservieren unter info@rioboteco.com

Das gesamte Menü ist hier zu finden.

Rio Boteco Berlin
The Hidden
Heinrich-Roller-Str. 8
10405 Berlin - Prenzlauer Berg [hier clicken für Google Maps]

Geöffnet 
Do 7.9., Fr 8.9., Sa 9.9. ab 19:30 Uhr
am Sa 9.9. auch zum Brunch ab 10:30 Uhr