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Der Vegetarische Metzger

Normalerweise bin ich ja eher skeptisch bis bestenfalls amüsiert, wenn es um vegetarische Fleischimitate geht. Braucht man das wirklich, Vöner, Seitanhuhn, Tofu-Chorizo, Lupinenschnitzel? Es gibt doch so viel tolles Gemüse, Pilze, Hülsenfrüchte etc, und ich vermisse Würste und Braten ja überhaupt nicht. Vielleicht auch weil ich schon als Kind aufgehört habe, Fleisch zu essen. Wer erst im Erwachsenenalter zum Vegetarier oder Veganer geworden ist, trauert all dem wohl eher nach und Fleischesser können sich eine Ernährung ohne ja oft garnicht vorstellen. Dies ist sicher auch eher die Zielgruppe für den Concept Store und Imbiss Der Vegetarischen Metzger in Kreuzberg.
Allerdings muss ich zugeben, auch mich haben die Produkte ehrlich überrascht und überzeugt! Geschmack und Konsistenz des vegetarischen Teriyaki Hühnchens waren super.
Die Aufschnittplatte war wie Abendessen bei Omi in Kindertagen... Die Burger sahen auch gut aus und die extra für uns testweise zubereiteten gebratenen Glasnudeln mit vegetarischen Garnelen und Hühnchen, Cashews, Wasserkastanien, Edamame, Zitronengras und Ingwer waren so lecker, das sollte auf die Karte übernommen werden!
Der Service war auch sehr nett und die Einrichtung witzig, mit Stoffwurstkette und Fleischereitheke.
Es gibt zudem eine breite Auswahl an tiefgekühlten Produkten, von veggie Hähnchenfilet und Thunfisch, über Würstchen, bis hin zu Speck, Hackfleisch und Burgerbratlingen, die man mit nach Hause nehmen und da nach Belieben zubereiten kann.
Da sie ja kein tierisches Eiweiß beinhalten halten sie sich auch aufgetaut noch einige Tage, vorausgesetzt man hält es so lange aus sie nicht zu verputzen...

Der Vegetarische Metzger
Bergmannstr. 1
Berlin - Kreuzberg

Mo-Sa: 11:30 Uhr – 22:00 Uhr
So: 13:00 Uhr – 20:00 Uhr

U Mehringdamm

Knödelwirtschaft

Der Name ist Programm in der Knödelwirtschaft in Neukölln, hier wird geknödelt was das Zeug hält. Auf der kleinen Karte, die sich häufig ändert, stehen immer vier herzhafte Knödel und ein süßer zum Dessert. Ein weiterer Knödel der Woche findet sich zudem noch auf der Tafel in der Ecke. Um in den Genuss der wohlgerundeten alpenländischen Spezialität zu kommen, empfiehlt sich eine Reservierung, denn die kleine Wirtschaft ist meistens gut gefüllt mit Knödelwilligen. Kein Wunder, denn Käseknödel, Brezelknödel, Steinpilzknödel, Salbei- oder Spinatknödel machen einfach RUNDum glücklich. Je nach Hunger lassen sich Anzahl und Varianten zusammenstellen, alles kommt mit verschiedenen Salaten und geriebenem Käse.
Beim Warten auf einen Sitzplatz standen wir bei unserem ersten Besuch nahe der Küche, sahen den vollen Tellern nach un raunten einander zu wie gut die Knödel doch aussehen, worauf der offenbar hellhörige Koch um die Ecke rief: "Na klar, was hastn gedacht!?!" - süddeutsche Cuisine, Berliner Charme.
Die Beleuchtung ist eher spärlich, darum leider nicht das beste aller Essensfotos, aber einfach lecker! Zudem sind die Preise fair und der Wein günstig. Und die Nachtischknödel sind sooo zart und gut!
Was will man mehr. Kommen Sie, knödeln Sie!

Knödelwirtschaft
Fuldastr. 33
Berlin - Neukölln [hier clicken für Google Maps]

Tel: 030 96600459

Offen:
täglich 18 - 24 Uhr
So: ab 13 Uhr

Zunfthalle / Arminiusmarkthalle

Nein, die Markthalle Neun ist nicht die einzige Markthalle Berlins, die einen Besuch wert ist. Auch der auf meinem Blog bislang sträflich vernachlässigte Stadtteil Moabit kann mit einer wirklich schönen Markthalle aufwarten. Die unter Denkmalschutz stehende, über 120 Jahre alte Arminiushalle wurde in den 90er Jahren sehr geschmackvoll renoviert und seit 2010 mit neuem Leben gefüllt. Nun finden nicht nur jeden Samstag ein Gourmetmarkt ("Gourminius") und alle paar Wochen ein Kreativmarkt statt, auch an allen anderen Wochentagen kann man hier frische Lebensmittel, Handgemachtes oder auch gebrauchte Comics und Groschenheftchen einkaufen und in den fest in der Halle eingerichteten Restaurants und Imbissständen essen.

Auf den Strohsofas, zwischen den hier überwinternden großen Palmen, oder an der aus extrem dicken, groben Holzbohlen bestehenden Tafel mitsamt Kandelabern, herbstlicher Kürbisdeko und darüber funkelndem Kronleuchter sitzt es sich dabei besonders gut.
Oft gibt es auch noch musikalische Begleitung, meistens Jazz. Beim Gourmetmarkt letzten Samstag wurde Sinatraeskes am Flügel zum Besten gegeben.

Kulinarisch betrachtet, geht es bodenständiger zu als in der Markthalle 9 in Kreuzberg, wo es nicht ausgefallen genug sein kann und sicher 90% der Namen der Speisen beim Bestellen falsch ausgesprochen werden (was zugegebenermaßen schon der halbe Spaß ist. Und ist es nicht ungemein befriedigend trotz mangelhaften Mandarin/Koreanisch/Twi-Kenntnissen am Ende ein herrliches Essen in der Hand zu halten?!). In der Arminiushalle rangiert das Angebot eher zwischen Kaiserschmarrn und Fischbrötchen, Olivenöl und Bouletten, Stullen und Antipasti. Es wird viel Wert gelegt auf Regionalität und gute Qualität der Produkte.

Meine großen und kleinen Begleiter und ich hatten viel Freude an Marillenknödeln
einem gewaltigen Berg Kaiserschmarrn mit Zwetschgenröster
italienischen Oliven, Marmeladenprobierhäppchen und einem köstlichen marokkanischen Fladen gefüllt mit Kartoffeln, Kräutern und Oliven.
Es könnte Berlintypischer kaum zugehen: der Biobäcker hat seinen Stand einträchtig gegenüber des Tabakhändlers, die jute Brutzelecke punktet mit einem "Wer hier meckert wird erschossen"-Schild, und am original Drehort der "Drei Damen vom Grill" lächelt ein Harald Juhnke Porträt immer noch selig über die Mettbrötchen.

Fazit: große Portionen anständigen Essens zu fairen Preisen, schöne Atmosphäre, reichlich zu kucken und zu probieren, viel Kiezcharme ganz ohne Hipster = großartige Mischung! Ich komme bald mal wieder!

Zunft(halle) Arminiusmarkthalle
Arminiusstrasse 2-4
Berlin - Moabit

U9 Turmstraße

Öffnungszeiten:
Montag bis Donnerstag: 7.30 Uhr bis 18.00 Uhr
Freitag: 7.30 Uhr bis 19.00 Uhr
Samstag: 7.30 Uhr bis 15.00 Uhr
Die Restaurants, Weinbar, Biertheke etc haben bis in den späten Abend geöffnet.

Nimmersatt unterwegs: Weinkontor Mörzheim von Gastbloggerin Gloria (9 Jahre)

Beim Betreten des Restaurants fällt vor allem die Einrichtung auf. Sie ist gemütlich und rustikal. Die Wände sind aus urigem Sandstein und sonst fast alles aus Holz.
In der handgeschriebenen Speisekarte gibt es jede Menge ausgefallene Gerichte: Karamell-Salzbuttereis auf Gewürzbirne, Rindfleischknödel und Flusskrebse in Thai-Curry mit Gemüse und Jasminreis oder Erbsen-Ziegenkäse-Tarte auf Kartoffelrösti und Tiroler Speck und vieles mehr.
Außerdem ist die Bedienung sehr nett. Die Traubensaftschorle (weiss) ist vom Geschmack her sehr süß und schmeckt richtig fruchtig, saftig und richtig lecker. Der Beilagesalat ist nur zu empfehlen: Er ist knackig und ratzig mit Dressing angemacht. Auch die Hauptspeise war vorzüglich: Rumpsteak mit Bratkartoffeln und hausgemachter Kräuterbutter. Die Bratkartoffeln waren schön knusprig und das Steak war schön würzig.
Auch die Dessertauswahl ist groß und gut, genauso wie die Portionen. Am liebsten mag ich die besonders leckere Eisauswahl und das Crème brûlée, mein Bruder Reto (6 Jahre) mag am liebsten das geeiste Nougat und das Maracujaeis.
Das Essen auf dem Foto ist übrigens die Steinpilzpasta von meiner Tante.

Das Essen war ein Gedicht, aber das reicht noch nicht, deshalb fühl ich mich in der Pflicht und schreibe noch ein Gedicht!

Das Weinkontor findet man bald in Landau vor.
Ist es dann noch so toll?
Und immmer noch so voll?
Das weiß keiner so genau
und wer das weiß ist superschlau!
Aber in Mörzheim ist es auch ganz schön.
Aber es ist so heiß, dass  ich mir hier gleich die Haare föhn.
Das ist das Ende vom Gedicht,
besonders sinnvoll ist es nicht.

Weinkontor 
Tel.: 06341-945485

Dienstag und Mittwoch Ruhetag
Sonntag                      ab 12.00 Uhr durchgehend

Markthalle 9 Street Food Thursday

Tamilisches Street Food
Seit April ist Berlin um ein Essenshighlight reicher: Street Food Thursday in der Markthalle Neun in Kreuzberg. Ich bin ja generell ein Fan von Märkten, Berge schön angerichteten Essens können mich immer begeistern, ist das Essen dann aber auch noch verzehrbereit und duftet köstlich aus allen Ecken der Markthalle, bin ich nicht mehr zu halten.
Der donnerstägliche Street Food Markt bietet eine Menge Leckereien, von kleinen Häppchen bis zu vollen Mahlzeiten, das meiste davon in kleinen Schälchen oder Papptellern zum sofortigen Verputzen. Von tamilischen Fladen mit Chutneys, über Austern, Spätzle, Wein und riesigen Käserädern, bis zu brandenburgischen Tapas und vor Ort zubereitetem Crumble... Von britischen Pies, mecklenburgischen Senf- und Marmeladenvariationen, jamaikanischer Küche und koreanischen Kimchi (serviert von einer Dame in Dirndl), bis zu japanischen Taiyaki.
Taiyaki mit Süßkartoffelfüllung
Es empfiehlt sich viel Hunger mitzubringen, mehrere Runden zu drehen und sich das komplette Angebot zu Gemüte zu führen und dann so viel wie nur irgend möglich zu kosten. Am Besten vielleicht mit Freunden, so kann man mehr verschiedene Köstlichkeiten probieren...
getrüffeltes Mairübchen und grünes Gazpacho
Dem Großteil der Verkäufer merkt man den Stolz auf das angebotene Produkt, die gekonnte Zubereitung und die Qualität der Zutaten berechtigterweise absolut an. Viele der Zutaten stammen aus der Region, oft aus eigenem Anbau, Einiges auch bio. Die Preise sind weder sonderlich billig, noch extrem teuer. Bei soviel Liebe zu ausgeklügelten Rezepten und guten Zutaten, halte ich die Preise für völlig gerechtfertigt.
Die Stimmung sowohl unter den Käufern als auch Verkäufern schien mir wirklich leidenschaftlich und begeistert, es lag greifbarer Essensenthusiasmus in der Luft. Ein mir persönlich wohlbekanntes Gefühl... schön zu sehen, wenn Mitmenschen es teilen! So viele glückliche Gesichter mit roten Bäckchen sieht man in Berlin ja nicht gerade alle Tage.
Der Street Food Thursday ist wirklich eine Bereicherung für Berlin! Hoffentlich bleibt er uns lange erhalten.

Street Food Thursday
Markthalle Neun
Eisenbahnstrasse 42/43
Berlin-Kreuzberg
Jeden Donnerstag 17 - 22 Uhr

Stadt Land Fluss

Dieses Restaurant hat leider geschlossen!

Nachdem ich in meinem letzten Blogpost vom türkischen Restaurant Osmans Töchter auf der Pappelallee geschwärmt habe, möchte ich heute nochmal in der Nachbarschaft bleiben und das schräg gegenüberliegende süddeutsche Restaurant Stadt Land Fluss empfehlen.
Das Konzept dieses gediegenen, aber nicht überkandidelten Restaurants, ist schnell erklärt, denn der Name ist Programm: die Karte ist dreigeteilt, unter "Stadt" finden sich vegetarische Gerichte, auf der "Land" Karte werden Carnivoren glücklich und unter "Fluss" findet sich, unschwer zu erraten, Fisch und sonstiges Süß- und Salzwassergetier.
In jeder dieser Kategorien gibt es je ein vollständiges Menü mit drei oder vier Gängen, alles möglichst saisonal und aus der Region. Der Koch von Stadt Land Fluss stammt allerdings aus südlicheren Gefilden Deutschlands und hat in der Pfalz am berühmten Deidesheimer Hof sein Handwerk gelernt. Dementsprechend wohldurchdacht und anspruchsvoll gekocht sind die Menüs! Bei aller Bodenständigkeit der Zutaten und Grundrezepte, lässt er es nicht an Rafinesse mangeln. Wer eine einfache sommerliche Gurkenkaltschale als Vorspeise erwartet, wird mit einem erstmal recht hübsch aber leer aussehenden Teller mit einigen Sprossen, einigen Klecksen, die sich unter anderem als Gewürzapfel herausstellten, und Ingwerkrokant überrascht. Glücklicherweise geht die Überraschung weiter: die kalte, leicht minzig-frische Gurkensuppe wird am Platz angegossen und knistert und bitzelt wie Brause angenehm auf der Zunge.
Auch bei meinem Hauptgericht, einer Art Serviettenknödel mit Pfifferlingen wurde die Pfefferschaum-Soße extra in einem Kännchen gereicht. Das sieht nicht nur viel ansprechender aus, so kann man auch einfach selbst entscheiden, in wie weit die Pfifferlinge schwimmen sollen, oder nicht, bzw wie viel Flüßigkeit die Knödel aufsaugen dürfen - ganz nach Geschmack des Gastes. Angerichtet waren die Knödel außerdem mit einem feinem Petersilien-Zwiebelpüree.
Die Fleischgerichte scheinen ebenfalls ein Gedicht zu sein, so zart und auf den Punkt zubereitet, dass die beiden Damen, die mich ins Stadt Land Fluss geführt haben, aus dem Schwärmen garnicht mehr herauskamen.
Ein Kunstwerk war zur krönenden Abschluss außerdem das Dessert: ein Schokoladenküchlein mit warmem, weichem Kern, mit Sauerkirschreduktion und Johannisbeergranité und frischen Kirschen mit etwas Sesam bestreut. Traumhaft!
Hier wird nicht nach "Hausmanns" oder "Hausfrauen" Art deutsch gekocht, sondern nach allen Regeln der Zunft der Spitzenköche. Bei Stadt Land Fluss  geht es dementsprechend auch nicht ganz so leger zu, wie man es von den meisten Restaurants in dieser Gegend gewohnt ist, trotzdem habe ich die Atmosphäre nicht als gezwungen empfunden.
Man kann es sich entweder leicht machen und eines der Menüs wählen, oder auch die einzelnen Gerichte wild kombinieren, z.B. die Suppe vom "Land"-Menü, das Haupgericht vegetarisch und am zum Schluss das Dessert, das eigentlich dem Fluss-Menü zugedacht war. Schmecken wird es allemal!
Selbstverständlich muss auch niemand ein ganzes Menü nehmen, dafür braucht man schon eine beträchtliche Magenkapazität... Wir haben uns am Ende ein Dessert zu dritt geteilt und hatten trotzdem danach das Gefühl aus dem Lokal zu rollen. Allerdings als ungemein glückliche und zufriedene Kugeln!
Stadt Land Fluss ist für mich definitv ein weiterer Höhepunkt auf der Gourmetmeile Pappelallee!

Pappelallee 65
Berlin-Prenzlauer Berg
U2 Eberswalder Str 
Offen: Mo- Fr ab 18:00, Sa- So ab 10:00

Voll Stulle


Der Stullenlieferdienst wurde leider eingestellt!
Diese Woche habe ich diese hübschen Probierstullen von Voll Stulle ins Büro geliefert bekommen. Schöne Idee, sehr freundlich und die Stullen waren juut jeschmiert und fein belegt, außerdem so adrett verpackt. Frisch, regional und bio sind sie noch dazu. Absolut unterstützenswert!
Geliefert wird allerdings nur von 7 - 13 Uhr, also rechtzeitig den Hunger einteilen und vorausplanen. Bei einem Mindestbestellwert von 15 Eur ist dieser Stullenservice wohl eher was für Bürogemeinschaften u.ä., oder eben für den großen Hunger!

In der Metzer Str soll es bald auch ein Ladengeschäft für die belegten Brote geben. Bis dahin frohes Bestellen!

www.voll-stulle.de

Schneeweiss

Schon als ich noch in Japan weilte, wurde mir kräftig von einer Restaurant-Neuentdeckung in Friedrichhain vorgeschwärmt. Mit Käsespätzle und Kräutersaitlingen wurde mir der Mund wässrig gemacht, so dass ich gleich nach meiner Rückkehr nach Berlin unbedingt dieses Restaurant ausprobieren wollte.
Nun hat es doch ein bisschen länger gedauert, bis ich in den Genuss der "alpenländischen" Küche des Schneeweiss gekommen bin, aber das hat die Vorfreude nicht gemindert. "Alpenländisch", das heisst süddeutsche und österreichische Spezialitäten, sowie italienische Einflüsse. Und das scheint schwer in Mode zu sein, in Prenzlauer Berg, Mitte und eben Friedrichshain sprießen trendige Restaurants und Läden aus dem Boden, die sich kulinarisch im Süden der Republik verorten. Vom schwäbischen Bäcker, zum Knödelrestaurant zur Palatschinken Bar (demnächst auf diesem Blog)- es scheinen sich wohl so einige Bewohner eben jener Stadtteile nach Omis Küche zu sehnen...
Mir solls recht sein, ist dies doch eine willkommene Abwechslung zum Thai-Inder-Italiener-Einheitsbrei, der wenig authentisch daherkommt und trotzdem vielerorts die Restaurantszene beherrscht. Dann doch lieber mal Hausmannskost, Wiederentdeckung von Altbewährtem ist ganz und gar keine schlechte Sache!
Und wenn sie dann noch so modern und elegant daherkommt, wie bei Schneeweiss ist das Feinschmeckerherz schnell überzeugt. Obwohl, "schnell" ist wohl das falsche Stichwort... Bei meinem Besuch dort musste ich mich und meinen knurrenden Magen schon ziemlich in Geduld üben - 20 Minuten warten bis überhaupt mal die Karte kommt und über eine Stunde bis das Essen auf dem Tisch steht, finde ich einfach zu lang! Ich habe mir allerdings sagen lassen, dass das sonst nicht so lange ginge. Wollen wirs hoffen!
Wie auch immer: das Warten lohnt sich! Auf der täglich wechselnden Karte finden sich viele schöne Dinge, zum Glück (obwohl das Restaurant wohl für seine Wiener Schnitzel mit lauwarmem Kartoffelsalat berühmt ist) auch viele vegetarische Schmankerln, die die Auswahl nicht gerade leicht gestalten.
Die Kartoffelrolle mit Pfifferlingsfüllung und karamellisiertem grünen Spargel und anderem Gemüse war definitiv eine gute Entscheidung, sehr fein und so noch nie gesehen. Ein gutes Beispiel für die ungewöhnliche, kreative Verwendung von altbekannten Zutaten. Für meinen Geschmack hätte (jaja, typisch süddeutsch) ein wenig mehr Sauce nicht geschadet. Aber naja, lieber ein bisschen trocken als in Saucenkleb erstickt, wie der allgegenwärtige Gemüseteller im Landgasthof jeder deutschen Provinzstadt. So kam das Aroma der einzelnen Zutaten schön deutlich heraus, sowohl der Eigengeschmack der Kartoffeln aus denen der "Teig" der Rolle bestand, als auch das der Pilze, sowie des lecker-knackigen Gemüses.
Die hausgemachten Ravioli mit Dörrtomaten-Ricotta-Füllung meiner Begleiterin waren auch wunderbar, wenn auch nicht ganz so überraschend und raffiniert wie die Kartoffelrolle. Die Ravioli hatten die Größe von Maultaschen und waren schön bissfest. Die Füllung war wunderbar intensiv fruchtig-tomatig, da das Aroma einer getrockneten Tomate ja viel konzentrierter ist als in ihren frischen Artgenossen.

Beide Gerichte waren reichlich und und gut füllend, Überlegungen ob an einem heißen Sommertag eine leichtere der alpenländischen Küche vorzuziehen wäre entgegenkommend jedoch zum Glück ohne tonnenschwer im Magen zu liegen.
Wer wie ich nicht so ein Weintrinker ist, dem sei zur Rhabarber-Schorle geraten - sehr erfrischend!

Fazit: empfehlenswert zu allen Jahreszeiten, sowohl zum Draußensitzen, als auch zum Aufenthalt im dem Namen alle Ehre machenden chic ganz in Weiß gehaltenem Innenraum. Reservieren sollte man unbedingt und etwas Zeit einrechnen vorsichtshalber. Außerdem Vorfreude auf ein tolles Essen mitbringen.
Und vielleicht nochmal bei der Bedienung nach der Story zu ihrem Mieze-Tatoo fragen. Die Geschichte, das ihre sämtlichen drei heißgeliebten Kater so hießen, es darum zu ihrem Spitznamen wurde und sie dann auch noch einen Mann kennen- und liebengelernt, der genauso hieß, klang doch fast zu schön um wahr zu sein... ;)


Schneeweiss

Simplonstr. 16 [click here for map, please]
Berlin-Friedrichshain

Leo Bettini

Dieses Restaurant hat leider geschlossen! 
So langsam aber sicher bin ich nun lange genug weg um hin und wieder erste Anzeichen von Essensheimweh an den Tag zu legen. Nichts Ernstes, dafür gibt es hier in Tokyo viel zu viele schöne Sachen, die ablenken bzw über Fehlendes spielend hinwegtrösten.
Aber dunkles Brot mit ordentlicher Kruste ist schon so eine Sache, oder Butter, Quark und guter, kräftiger Käse - den bekommt man hier zwar in Feinkostabteilungen von Kaufhäusern auch, aber zu Preisen die einem den Appetit verderben.
Und an einen Laden in Berlin darf ich besser gar nicht denken: Leo Bettini! Der Ort an dem Knödelträume wahr werden! Knödelträume? Wie, ihr habt noch nie von Knödeln geträumt? Bei einem Besuch bei Leo Bettini wird es euch beigebracht werden! Am besten man nimmt eine Auswahl von drei verschiedenen pikanten Knödeln, die mit zerlassener Butter, geriebenem Parmesan und einem Schälchen Krautsalat serviert werden. Zur Auswahl stehen z.B. die Sorten Spinat, Pilze, Rote Beete, Tomate-Mozzarella oder Bergkäse und Kümmel (der ist der Wahnsinn und definitiv der Traum meiner schlaflosen tokyoter Nächte!). Die Knödel sind nicht allzu groß, aber so kann man mehrere Sorten probieren und für einen süßen Knödel ist dann vielleicht auch noch ein Plätzchen im Magen.. Die sind nämlich auch herrlich! Gefüllt mit Apfel oder Zwetschgen und mit gebräunter Zimt-Zucker-Butter und gehackten Nüssen dürften sie jedem Schleckermaul Freudentränen in die Augen jagen.
Bestimmt auch ganz köstlich ist die frische Pasta, die es bei Leo Bettini auch gibt, allerdings habe ich die selbst noch nicht getestet, dafür waren die Knödel einfach zu verlockend. Frische Pasta ist ja hier und da in Berlin zu bekommen, aber wo bitte gibt es sonst so gute Knödel in der Hauptstadt? Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese noch zu toppen sind. Aber sehr gut aussehen tun die Nudeln auch.. wenn ich zurück bin muss ich die schon auch mal testen, vielleicht tue ich ihnen ja furchtbar unrecht, wenn ich sie zugunsten der Knödel so vernachlässige.
Auf der Website habe ich gesehen, dass sogar an Allergiker gedacht wird und es auch Dinkelpasta, mit und ohne Ei bei Leo Bettini gibt.
Alles gibt es auch zum Mitnehmen und zuhause abkochen, die Anleitungen dazu finden sich ebenfalls auf der Website.

Der Laden selbst ist auch angenehm, sehr klar und weiß gehalten und man kann durch eine simple Bretterwand hindurch einen Blick in die Küche werfen, ein Detail, das mir immer gut gefällt. Außerdem gibt es auch die Möglichkeit bei gutem Wetter draußen auf der ruhigen Mulackstraße zu sitzen.
Der einzige Haken ist, dass Leo Bettini nur tagsüber geöffnet hat und Sonntags gar nicht. Also Öffnungszeiten beachten und dann nichts wie hin!

Leo Bettini
Mulackstraße 33
Berlin-Mitte
[click for map]
Tram und U Weinmeister Str.

Montag - Freitag von 12.00 -17.30 Uhr
Samstag von 12.00 - 16.00 Uhr

Restaurant Gino

Wer hier wegen des Namens italienisches Essen erwartet, wird zumindest in diesem Aspekt enttäuscht sein. Pizza und Pasta kann man bei Gino lange suchen. Schon die gutbürgerlich anmutende Einrichtung mit Wildschwein-Hirsch-Tapete sollte Zweifel aufkommen lassen. Aber ansonsten gibt es keinen Grund zu Zweifeln und Enttäuschung, denn hier gibt die besten Flammkuchen, die mir bisher in Berlin begegnet sind.
Es wird feine elsässische und schwäbische Küche geboten: neben den Flammkuchen warten Schupfnudeln, Käsespätzle und Konsorten einträchtig auf der Karte darauf einen Gast glücklich machen zu dürfen.
Die Flammkuchen gibt es in verschiedenen Ausführungen, alle so um die 6 - 7 Euro, ein guter Teil davon vegetarisch, wie zum Beispiel mit Zwiebeln und Bergkäse, Cherrytomaten und Mozzarella oder Spinat und Ziegenkäse. Der Teig ist hell und weich, und nicht zu kross gebacken. Auch der bunte Salat mit allerlei Sprossen und sehr gelungenem Dressing ist dringend zu empfehlen.
Und besonders beeindruckt hat mich, dass es hier eine Bedienung gibt, die ohne Stift und Zettel die Bestellung aufnimmt und alles richtig serviert. Bewundernswertes Hirntraining.. Also geht hin und stellt sie auf die Probe: schafft sie es sich mehr Flammkuchen zu merken, oder schafft ihr mehr Flammkuchen zu essen??!
Letzteres ist mit Sicherheit das größere Vergnügen!

Restaurant Gino
Sorauer Str. 31
(Ecke Wrangelstr)
Berlin - Kreuzberg
U Görlitzer Bahnhof