Vai mó Salumeria Enoteca

In der eher lauten, mäßig attraktiven Danziger Str gibt es das ein oder andere Inselchen, das es zu entdecken lohnt. Dazu gehört das klitzekleine italienische Restaurant Vai mó Salumeria Enoteca. Heimelig mit nur wenigen Tischchen, klassisch rot-weiß karierten Tischdecken, Weinflaschen bis unter die Decke, sehr freundlichem Service und - das wichtigste zuletzt - super Essen!
Die Karte ist nicht allzu groß, die Gerichte saisonal und wechseln je nach Verfügbarkeit der frischen Zutaten. Der Name des Restaurants verrät es schon, sehr vegetarisch geht es hier nicht zu. Richtig glücklich dürften Fischliebhaber hier werden, die Auswahl von Speisen aus dem Meer klang hervorragend. Für Vegetarier gab es zwar nur zwei Hauptgerichte, die klangen dafür aber beide so verlockend, dass mir mal wieder die Wahl schwer fiel. Kartoffel-Apfel Gnocci mit gebräunter Butter, geräuchertem Scamorza Käse und Honig oder doch lieber ein Pilz-Risotto mit grünem Spargel und Bärlauchschaum?
Am Ende habe ich mich für das Risotto entschieden, das noch schön Biss hatte und so lecker war, dass es gerne noch etwas mehr hätte sein dürfen. Noch hat auch der Spargel noch nicht ganz sein volles Aroma, es ist ja auch noch etwas früh - aber vor allem zusammen mit dem kräftigen Bärlauchschaum war dieses Gericht eine sehr schöne Einstimmung auf den Frühling.


Nachspeisen standen zwar nicht auf der Karte, zu unserem Glück erklärte uns die Kellnerin aber "Ich bin die Dessert Karte"! Bei uns gab es für sehr köstlich befundenes Tiramisu und nicht weniger köstlich: Cannoli alla Siciliana, eine knusprige Teigrolle mit einer dünnen Schicht aus dunkler Schokolade, gefüllt mit Ricotta, bestreut mit gehackten Nüssen auf Orangensirup. Außerdem zur Auswahl standen Panna Cotta mit Waldbeeren und Creme Brulee.

Unbedingt empfohlen ist eine Reservierung: wir wollten schon vor kurzem mal spontan dort einkehren, da waren die wenigen Tische alle restlos belegt... Wahrscheinlich wegen unserer entäuschten, hungrigen Blicke wollte die nette Dame uns sogar auf Kosten des Hauses ein Taxi zum Schwesterrestaurant beim Wasserturm rufen. Sehr zuvorkommend! Wir wollten soviel Freundlichkeit aber dann nicht schamlos ausnutzen und kamen lieber ein andermal wieder.
Es hat sich gelohnt!

Vai mó Salumeria Enoteca
Danziger Straße 18
Berlin - Prenzlauer Berg
Tel: 030 48 49 56 55

Geöffnet Mo.-Sa. von 11-22 Uhr

La Mano Verde

Dieses Restaurant ist umgezogen in den Kempinski Plaza, Uhlandstr. 181-183, 10623 Berlin - Charlottenburg

Versteckt in einem Winkel von Mitte, in den es einen normalerweise nicht zum Aus- und Essengehen verschlägt, liegt ein absolutes Kleinod der veganen Küche. Das La Mano Verde bietet abseits von jedem chici Szeneschnickschnack feine vegane Gerichte und sehr raffinierte Rohkost. Die Preise sind eher gehoben, aber man bekommt auch wirklich etwas geboten: hochqualitative Zutaten, ungewöhnliche Zusammenstellungen, neue Geschmackserlebnisse, ganz ohne Geschmacksverstärker und tierische Erzeugnisse.

Das geht schon bei den Vorspeisen los: Feldsalat mit Passe Pierre Algen (auch Salicorne, Meeresspargel oder -bohnen genannt) und Avocado, Edamame Bohnen und Orangenfilets... oder auch sehr (roh)köstlich und ganz schön füllend: Tomaten-Oliventörtchen mit Pilzsalat und Basilikumöl!




Bei den Hauptspeisen fällt die Wahl auch wirklich schwer: so gut klingt alles! Z.B. hausgemachte Kartoffel-Mangoldravioli mit Kräuterseitlingen in Trüffelrahmsauce - die Ravioli mit dem richtigen Biss und die Sauce wirklich schön cremig und trüffelig, nur vom Mangold war nicht viel zu entdecken und auch die Kräuterseitlinge waren etwas rar.



Oder den deftigen gebratenen Tempeh mit Tomaten-Mandelkruste und Kartofel-Lauchpuree, Fenchel und Cranberry Jus - toll! Oder doch die Spaghetti mit Meeresgemüse, getrockneten Tomaten, Sesam und Chili in Koriander-Knoblauchöl und Pinienkern "Parmesan"? Hmmmmm....

Zum Nachtisch kann ich das am Tisch flambierte Zitronengras-Kokos Creme Brulee empfehlen, oder auch den Triple Chocolate Fudge (wobei dieser das einzige Gericht war, bei dem ich dachte, mit Milch-Eiern-Butter zubereitet, wäre er wohl noch leckerer gewesen - aber natürlich auch viel schwerer im Magen gelegen!).


Eher etwas mickrig für 7,50 EUR fand ich das Black Forrest genannte Dessert, das ungefähr die Größe von zwei Pralinen hatte, garniert mit ein wenig Obst. Das hätte wirklich etwas mehr sein dürfen.
Das Restaurant ist zwar nicht klein, es ist aber trotzdem empfehlenswert einen Tisch zu reservieren - weniger weil man fürchten muss, keinen Platz mehr zu bekommen, sondern viel mehr, weil die Gerichte recht aufwendig vorzubereiten sind und die Küche sich auf die ungefähre Gästezahl einstellen muss. Als wir vor einiger Zeit, ohne zu reservieren, zu viert dort einfielen, war die Verlegenheit erst groß, dann haben wir uns zwar doch setzen dürfen, wurden aber vor längeren Wartezeiten gewarnt und tatsächlich dauerte alles ein Weilchen.
Als ich ein andermal vorher reserviert hatte, ging alles tatsächlich viel schneller.
Dem Klischee entsprechend sind die weiblichen Gäste haushoch in der Überzahl - schön blöd, wenn Mann sich das entgehen lässt. Das feine Essen meine ich jetzt natürlich... ;)

La Mano Verde
Scharnhorststr. 28-29
Berlin-Mitte
Tel. (030) 827.03.120
Öffnungszeiten 17- 23 Uhr - Dienstag geschlossen
Kempinski Plaza nähe Ku'damm 
Uhlandstr. 181-183
10623 Berlin 
offen: Dienstag bis Samstag 
12:00 -15:30 Uhr und 18:00-23:00 Uhr
Tel. (030) 827 03 120

Cocolo


Ich habe eine neue Zuflucht gefunden, wenn mich mal wieder das Japan-Fernweh plagt. Man muss dafür nicht einmal in den Flieger steigen und sich 12 Stunden mit Flugzeugfraß und schlechten Filmen herumschlagen, es reicht sich nach Mitte in die Gipsstraße zu begeben. Dort gibt es seit einiger Zeit ein waschechtes Ramen Restaurant namens Cocolo, das aus Japan herübergebeamt sein könnte. Schmal, eng, nicht sehr hell, vollgestopft mit schlürfenden Gästen, dekoriert mit einigen witzigen Japan-Memorabilia, mit dampfenden Suppen-Töpfen und eigens für das Cocolo angefertigtem, irdenem Geschirr.
Zugegebenermaßen ist Ramen eigentlich nicht gerade der Traum aller Vegetarier, wird die klassische Brühe für Ramen doch einem armen Schwein aus dem Leib gekocht, doch - ein Glück - es gibt auch vegetarische Varianten für die keinerlei Getier sondern Miso als Geschmacksgeber verwendet wird.
Enorm wichtig sind auch gute, hausgemachte Nudeln, mit einem sehr eigenen Geschmack (der durch die Verwendung von Soda- und Pottasche-haltigem Wasser erreicht wird) - auch hier volle Punktzahl für das Cocolo!
Die weiteren Zutaten, verschiedenes Gemüse, ein halbes fast hartes Ei & Algen waren ebenfalls lecker. Die Portionen waren okay, aus Japan kenne ich sie eher größer, aber für den größeren Hunger kann eine Extraportion Nudeln geordert werden. Außerdem gibt es einige Vorspeisen (z.B. Edamame, mmmmh) und Grüntee-Eis zum Dessert.
Bei nächster Gelegenheit will ich auch unbedingt mal zum Grapefruit Chūhai Trinken vorbeikommen, meinem Izakaya-Lieblingsgetränk: Shōchū mit frischgepresster Grapefruit.

Angefangen hat das Cocolo als mobile Suppenküche, die durch Mitte wanderte, nun hat es glücklicherweise ein festes Zuhause gefunden, wo man jeden Tag ab 18 Uhr so viel schlürfen darf, wie man möchte :)

Cocolo
Gipsstr. 3
Berlin-Mitte

Anstatt Soundtrack zum Artikel, heute eine Filmempfehlung: Tampopo!

Cookies Cream

Letzte Woche wurde ich sehr netterweise ins Cookies Cream eingeladen, das dem Club Cookies angeschlossene vegetarische Gourmet Restaurant. Ob der hippen Umgebung habe ich mich nicht getraut meine Knipse auszupacken und das Essen zu photographieren, darum nur ein Bild dessen, was einem dort mal abgesehen vom Essen am meisten ins Auge fällt: Bärtchen! Willkommen in Berlin Mitte.
Doch weder die hohe Schnäuzer- und Nasenfahrrad-Dichte, noch das mehrere Quadratmeter große Ficken Kunstwerk mit dem American Express Logo, dessen künstlerische Intension sich mir nicht ganz erschloss, vermögen von der wirklich hervorragenden Küche abzulenken.

Erster Pluspunkt: die Küche ist offen und man kann den Kochkünstlern beim Pochieren, Dressieren, Passieren, Flambieren und Melieren zuschauen, da steigt die Vorfreude!

Zweiter Pluspunkt: entscheidet man sich für ein drei-gängiges Menü, kommt man recht günstig weg und hat von allem was. 32 EUR für Vorspeise, Hauptgericht und Dessert sind für ein Gourmet-Erlebnis der im Cookies Cream gebotenen Art ein angemessener Preis.

Dritter Pluspunkt: alles vegetarisch und das fiel einigen am Tisch erst nach zehnminütigem Kartenstudieren (und die wöchentlich wechselnde Karte hat nur eine Seite!) auf, da das Angebot nichts vermissen lässt.

Vierter Pluspunkt: das Essen ist einfach wirklich gut! Ob Artischockensalat, Steinpilzessenz, pochiertes Ei auf Beluga-Linsen, Baby Leaf Salat mit Ziegenricotta - schon bei den Vorspeisen hatte ich die Qual der Wahl.
Bei der Hauptspeise fiel mir die Entscheidung leichter: wunderbare Parmesanknödel, die so zart waren, dass sie im Mund beinahe zu schmelzen schienen auf einer fantastischen Zitronensauce mit Zitronenconfit und Karrotengemüse (das zwar mit gelben und violetten Karotten hübsch aussah, aber leider geschmacklich kaum zu identifizieren war. Da hätte ich mir intensiveren Eigengeschmack gewünscht).
Um mich herum entschied man sich großteils für die sehr farbenfrohe Lasagne oder die quitschgrünen Rosenkohlcanneloni. Sah auch sehr gut aus, wenn der gemeine Rosenkohl nur nicht mein persönlicher Feind wäre.

Das Dessert setzte all dem wie erhofft noch ein Krönchen auf: Nougatmousse auf sehr limettiger Avocado-Creme, reichhaltig, aber weder schwer noch zu süß - perfekt! Oder Limettentörtchen mit Holunderbeerensorbet, bei dem vorallem das super-aromatische Holunderbeerensorbet ein Traum war!

Der einzige Minuspunkt beim Essen: die Portionsgröße der Hauptgerichte ließ doch sehr zu wünschen übrig, man müsste eher von der "Portionskleine" sprechen... Besonders die männlichen Anwesenden waren auch nach den drei Gängen noch hungrig. Erfahrene Tischnachbarn bestellten gleich extra-große Portionen. Keine besonders gute Grundlage auch für jene, die im Club unten noch die Nacht verfeiern wollten.
Irgendwie unbefriedigend und unverständlich, ich glaube kaum, dass z.B. drei anstatt zwei gerade mal tischtennisballgroßes Parmesanknödelchen das Restaurant in den Ruin stürzen würden. Nun ja.

Davon abgesehen konnte ich kein Hipster-Moustache-Haar in der Suppe finden, nein, wirklich nichts zu meckern! Saisonale Zutaten, auf den Punkt zubereitete, schön angerichtete Speisen, kreative Zusammenstellungen - sehr köstlich!


Cookies Cream

Behrenstraße 55 10117 Berlin

Der Eingang liegt gut versteckt im Hinterhof. Man muss klingeln und dann durchs Gebäude irren. Das gehört zum Konzept, wie bei achso chicen Parties in "secret locations"... nicht aus der Ruhe bringen lassen und einfach anderen Gästen unauffällig folgen ;)

Tel: +(0)30 2749-2940

geöffnet: Di. - Sa. ab 19 Uhr

Preußenpark aka Thaipark

Letztes Wochenende war ausnahmsweise mal unter 35°C, ideales Wetter für eine Radtour! Allerdings nicht im grünen Umland, sondern ab durch die grüne Mitte bis nach Wilmersdorf in den Preußenpark. Schon vor Jahren habe ich erzählt bekommen, dass sich dort thailändische und philippinische Berliner jedes Wochenende bei gutem Wetter zum picknicken, kochen, snacken und schnacken treffen und dass das Essen dort auch verkauft wird. Wo sonst hat man in Berlin schon die Möglichkeit, frisch zubereitetes, südostasiatisches Streetfood a la Mama zu bekommen? Eben: Nirgends!
Neben dem fantastischen Essen, das hauptsächlich von Frauen verkauft und zubereitet wird (Männer werden höchstens zum Gurkenschälen abkommandiert), gibt es auch dem Glückspiel frönende Männergrüppchen (hier wiederum habe ich nur eine Dame mit Pokerface und Kippe im Mundwinkel entdeckt..), eigentümlich Selbstgebrautes in wenig vertraunerweckender barbie-rosa Farbe, zudem Gemüseverkäufer mit Unmengen nicht-heimischer Blätter und auf der gesamten Wiese tümmeln sich picknickende Familien.


Es gibt also viel zu sehen, zu schnuppern, zu probieren, erleben und kennenlernen! Perfekt!
Vegetarier haben es allerdings nicht ganz einfach: fast in jedem Essen werden Fischsauce, getrocknete Shrimps (am Stück oder als Paste), oder eine tierische Suppenbasis verwendet.
Da aber vieles direkt frisch zubereitet wird, kann man sicher fragen, ob das ein oder andere Getier einfach weggelassen werden kann.
Oder man widmet sich einfach den Süßigkeiten: ob fritierte Kochbananen in Sesamteigmantel, frische Rambutan oder quitschgrüne Tapiokanudeln in gesüßter Kokosmilch (Lod Chong) - auch bei den Desserts dürfte es niemandem langweilig werden..

Ich kann es garnicht fassen, dass es so lange gedauert hat, bis ich es tatsächlich mal zum Preußenpark geschafft habe. Von nun an bin ich dort auf jeden Fall öfter anzutreffen! Garantiert!

jeden Samstag & Sonntag (solange das Wetter mitspielt)
Preußenpark
10707 Berlin-Wilmersdorf