Relais de Savanne

Seit einiger Zeit liest und hört man ja recht viel über das afrikanische Viertel im Wedding. Da gibt es Führungen, Vorträge, Feiern und in der Presse wird auch gerne mal ein Loblied auf den "neuen, bunten Wedding" gesungen.
Bei mir zuckt bei solchen Formulierungen ja eher die linke Augenbraue bis fast zum Haaransatz, aber mein Interesse war trotzdem geweckt. Darum habe ich mich neulich mal zu einem kleinen Rundgang durch das Viertel (wieso man in diesem Fall "Viertel" sagt und sonst in Berlin immer "Kiez" ist mir nicht ganz klar, aber ich halte mich hier an den schon üblich gewordenen Wortgebrauch) nördlich der Amrumer Straße, wo die Straßen Namen afrikanischer Städte und Staaten tragen.
Das dort Gesichtete fand ich eher ernüchternd: ein paar Telephonläden, afrikanische Friseurbedarfläden mit bunten Haarsträhnen zum Einflechten, ein Dönerimbiss "Zum Kameruner" und ein kleiner Supermarkt mit afrikanischen Lebensmitteln. Kein interessantes Restaurant weit und breit und kaum Leute auf der Straße... Klar, ich habe nun auch kein afrikanisches Viertel wie in Paris erwartet, aber ein bisschen mehr dann doch, was den Hype begründen könnte. Ich will die Gegend nicht schlecht machen, ist sicher ne nette Nachbarschaft. Vielleicht bin ich auch blind durch die Gegend geirrt und habe alles Interessante übersehen? Bin für Tipps offen!

Wie auch immer, ich bin am Ende dank des TAZ Artikels doch noch in den Genuss leckerer togoischer Küche gekommen.
Allerdings muss man dazu erst nochmal ein gutes Stück mit der Tram zur Prinzenallee fahren, zwar immer noch im Wedding, aber weit entfernt vom eigentlichen afrikanischen Viertel. Hier findet sich das Relais de Savanne: Treffpunkt, Café, Bar, Restaurant und Veranstaltungsort mit superfreundlicher Betreiberin. Hereinkommenden Gästen winkt sie fröhlich aus der Küche zu und begrüßt jeden mit absolut herzerwärmendem Lächeln. Sie scheint auch die einzige zu sein, die wirklich weiß, was es heute zu essen gibt - während der junge Mann, dem wir unsere Bestellungen aufgaben erst nochmal nach draußen rannte, um auf der dort aufgestellten Tafel nachzusehen was das Tagesgericht war...
Leider war eine von einer Freundin bestellte Thunfisch Paté nicht zu haben, aber ansonsten kam alles wie geordert und war wirklich fein. Besonders die fritierten Kochbananen hatten es uns angetan. Sehr fruchtig, aromatisch und leicht karamelisiert an den Rändern - einfach toll! So gut hatte ich diesen Standard vieler afrikanischer und karibischer Küchen nur selten. Dazu gab es wunderbare Schwarzaugenbohnen, ein wenig Salat und eine tolle hausgemachte würzige Hotsauce - absolutes Comfortfood für mich!
Mit solchen simplen aber köstlichen Gerichten kann man mich vollkommen glücklich machen. Bei den einfachen Dingen zeigt sich bekanntlich das Können des Kochs, bzw der Köchin.
Auch das gemischte Gemüse mit Erdnusssauce und Couscous war sehr gut und reichlich.
Das alles lässt sich in angenehmer Atmosphäre in den hellen Räumlichkeiten mit großen Gemälden an den Wänden und Tüchern aus afrikanischen Stoffen auf den Tischen genießen. Außerdem läuft schöne Musik, viel afrikanischer Reggae.

Nur eins sollte man nicht unbedingt tun und das ist getrennt bezahlen wollen: dass sorgte bei dem freundlichen Herrn, der zum Abkassieren zu uns kam für einiges Kopfzerbrechen, Verwirrung und längere Rechen- und Bedenkzeiten, bei meinen Begleiterinnen teils zu Ungeduld, teils zu Belustigung.
Beim Gehen hat die Chefin noch mit uns mit einem Glässchen Zuckerrohrschnaps angestoßen und uns zum Grande Soiree Togolaise eingeladen, der am 25.10. im Relais de Savanne stattfinden wird.

Ein sehr sympathischer Laden, den ich gerne weiterempfehlen möchte, sei es für das Konzert Ende des Monats oder einfach für einen schönen Abend mit gutem Essen unter netten Leuten - im wirklich nicht so grauen Wedding ;)

Relais de Savanne
Prinzenallee 33
Berlin - Wedding [click to see map!]


U-Bahn U8 Pankstraße
Metrotram 13, Tram 50 bis Osloer Straße/Ecke Prinzenallee
Metrobus 27, Bus 255 bis Prinzenallee/ Ecke Soldiner Straße

Tel. 030 493 079 19

geöffnet: Dienstags - Sonntags
11.00 Uhr bis 2.00 Uhr

Kommentare:

Veronika Kaiser hat gesagt…

Ist zwar schon ein paar Tage/Monate alt, aber immer noch online :) - danke für diese Restaurantideen. Leider führt der erste Link "Führungen, Vorträge, Feiern" ins "not Found".

Tipp, der hier noch fehlt: http://www.ausfahrtwedding.de/touren_detail.php?nummer=20

Anonym hat gesagt…

"Allerdings muss man dazu erst nochmal ein gutes Stück mit der Tram zur Prinzenallee fahren, zwar immer noch im Wedding, aber weit entfernt vom eigentlichen afrikanischen Viertel."

Deine Erwartungen konnten nur enttäuscht werden, da es sich bei dem Namen "Afrikanisches Viertel" nicht um eine Selbstbezeichnung einer Afro-Deutschen-Community handelt, sondern in der Namensgebung der dortigen Straßen zur Erinnerung an Deutsche Kolonien und Herrschaftsansprüche. Achso, und ein paar Völkermörder und Rasseideologen haben auch ne Straße abbekommen...

http://www.berlin-postkolonial.de/cms/index.php?option=com_content&view=article&id=78:afrikanisches-viertel&catid=10:mitte&Itemid=16