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Frau Galinou kocht - Griechische Genüsse

Dieses Restaurant ist leider geschlossen.
Frau Galinou kocht... und zwar nicht irgendwie, sondern griechisch und verdammt lecker kocht sie! Fernab vom Einheitsfraß, der mit griechischer Küche nichts zu tun hat, in Deutschland aber gerne als solche verkauft wird, kocht Frau Galinou nordgriechische Spezialitäten, so wie sie auch schon von ihrer Mutter zuhause zubereitet wurden oder wie sie ihrer kulinarischen Phantasie entspringen.

Alles wird selbst gemacht, vom Brot über die ungemein köstlichen Vorspeisen (Mezedes) bis hin zu ihrer Spezialität: speziellen, dünnen Nudeln namens Chilopites, die in der vegetarischen Variante mit süßlicher Paprikapaste, frischen Kräutern und Feta serviert wurde.
Mit den Chilopites hat alles angefangen: 2007 eröffnete Frau Galinou die Manufaktur "Pasta Divina" für diese feinen Nudeln, die außerhalb Nordgriechenlands kaum bekannt waren. 2011 kam dann das Restaurant im Prenzlauer Berg dazu, in dem sie nun neben ihren Teigwaren auch andere zu Unrecht unbekannte Köstlichkeiten aus ihrer Heimat anbietet.

Für die Vorspeisenplatte muss man 12 Eur berappen, dafür ist dann aber auch jeder Bissen ein Geschmackserlebnis: angenehm röstig-rauchiger und trotzdem nicht minder fruchtiger Auberginensalat, pürierte Bohnen mit Mohn, der heißgeliebte Klassiker: gebackene dicke Bohnen in Tomatensauce, sautierte Pilze, rote Beete, pikante Fetacreme... ein wahrer Traum!

Die Speisekarte ist klein, aber man spürt, dass sie wohldurchdacht ist. Hier wird nicht wild alles angeboten um es allen recht zu machen, nein, hier hat jedes Gericht seinen Grund, seine Berechtigung und seine Geschichte, die auch gerne mal auf der Speisekarte erzählt wird.

Auch die Getränkekarte ist auf das Elementarste reduziert, Softdrinks fehlen komplett – die harmonieren wohl nicht und haben damit offenbar keine Daseinsberechtigung neben den feinen Speisen. Der angebotene Wein ist erlesen und nicht billig.

Jetzt im Sommer lässt es sich hübsch draußen sitzen vor dem kleinen Restaurant, ab und an schaut auch die zurecht stolze Köchin mal raus und grüßt ihre Gäste.
Ein sehr sympathisches Lokal! Ich komme auf jeden Fall gerne bald mal wieder, vielleicht dringe ich dann auch mal bis zur Nachspeise vor, die klang nämlich auch lecker...

Kollwitzstraße 88
Berlin - Prenzlauer Berg

Offen: 
Di-Sa 18.30-23.00 Uhr
So 18.00-22.30 Uhr

Tel: 030 26 32 01 23

Zunfthalle / Arminiusmarkthalle

Nein, die Markthalle Neun ist nicht die einzige Markthalle Berlins, die einen Besuch wert ist. Auch der auf meinem Blog bislang sträflich vernachlässigte Stadtteil Moabit kann mit einer wirklich schönen Markthalle aufwarten. Die unter Denkmalschutz stehende, über 120 Jahre alte Arminiushalle wurde in den 90er Jahren sehr geschmackvoll renoviert und seit 2010 mit neuem Leben gefüllt. Nun finden nicht nur jeden Samstag ein Gourmetmarkt ("Gourminius") und alle paar Wochen ein Kreativmarkt statt, auch an allen anderen Wochentagen kann man hier frische Lebensmittel, Handgemachtes oder auch gebrauchte Comics und Groschenheftchen einkaufen und in den fest in der Halle eingerichteten Restaurants und Imbissständen essen.

Auf den Strohsofas, zwischen den hier überwinternden großen Palmen, oder an der aus extrem dicken, groben Holzbohlen bestehenden Tafel mitsamt Kandelabern, herbstlicher Kürbisdeko und darüber funkelndem Kronleuchter sitzt es sich dabei besonders gut.
Oft gibt es auch noch musikalische Begleitung, meistens Jazz. Beim Gourmetmarkt letzten Samstag wurde Sinatraeskes am Flügel zum Besten gegeben.

Kulinarisch betrachtet, geht es bodenständiger zu als in der Markthalle 9 in Kreuzberg, wo es nicht ausgefallen genug sein kann und sicher 90% der Namen der Speisen beim Bestellen falsch ausgesprochen werden (was zugegebenermaßen schon der halbe Spaß ist. Und ist es nicht ungemein befriedigend trotz mangelhaften Mandarin/Koreanisch/Twi-Kenntnissen am Ende ein herrliches Essen in der Hand zu halten?!). In der Arminiushalle rangiert das Angebot eher zwischen Kaiserschmarrn und Fischbrötchen, Olivenöl und Bouletten, Stullen und Antipasti. Es wird viel Wert gelegt auf Regionalität und gute Qualität der Produkte.

Meine großen und kleinen Begleiter und ich hatten viel Freude an Marillenknödeln
einem gewaltigen Berg Kaiserschmarrn mit Zwetschgenröster
italienischen Oliven, Marmeladenprobierhäppchen und einem köstlichen marokkanischen Fladen gefüllt mit Kartoffeln, Kräutern und Oliven.
Es könnte Berlintypischer kaum zugehen: der Biobäcker hat seinen Stand einträchtig gegenüber des Tabakhändlers, die jute Brutzelecke punktet mit einem "Wer hier meckert wird erschossen"-Schild, und am original Drehort der "Drei Damen vom Grill" lächelt ein Harald Juhnke Porträt immer noch selig über die Mettbrötchen.

Fazit: große Portionen anständigen Essens zu fairen Preisen, schöne Atmosphäre, reichlich zu kucken und zu probieren, viel Kiezcharme ganz ohne Hipster = großartige Mischung! Ich komme bald mal wieder!

Zunft(halle) Arminiusmarkthalle
Arminiusstrasse 2-4
Berlin - Moabit

U9 Turmstraße

Öffnungszeiten:
Montag bis Donnerstag: 7.30 Uhr bis 18.00 Uhr
Freitag: 7.30 Uhr bis 19.00 Uhr
Samstag: 7.30 Uhr bis 15.00 Uhr
Die Restaurants, Weinbar, Biertheke etc haben bis in den späten Abend geöffnet.

Kaliva

Gelockt durch Photos und Erzählungen von leckerster Kürbispasta in wunderhübschem Umfeld, wurde ich neulich an der Hand genommen und ins von mir noch weitgehend unerschlossene Charlottenburg geführt. Dank der Vielzahl von BVG Baustellen und Umleitungen stellte sich der Weg noch länger und beschwerlicher dar, als er sowieso schon ist und wir kamen erst kurz vor Ladenschluss im Kaliva an. Da war dann leider schon das warme vegetarische Mittagessen aus, aber die Reise hat sich trotzdem gelohnt. Glücklicherweise gab es noch reichlich feine, hausgemachte Vorspeisen - allesamt vegetarisch! Salate, Cremes, Eingelegtes, gefüllte Weinblätter, dicke Bohnen... so viele schöne Sachen, dass ich am liebsten alles probieren wollte, was auch Dank eines gemischten Vorspeisentellers möglich war. Dazu gabs einen Brotkorb und ein gemütliches Plätzchen in den wirklich sehr hübsch und liebevoll gestalteten Räumlichkeiten.
Dankbarerweise bleibt man im Kaliva von leichtbekleideten "antiken" Büsten und in Korb gekleideten Weinflaschen und anderem Tand, der als Dekoration anderer griechischer Lokale herhalten muss verschont. Stattdessen wurde mit viel kräftiger Farbe, geschmackvollen Olivenzweigbemalungen an der Decke und hohen Regalen und Verkleidungen aus dunklem Holz und Messing angenehme Gemütlichkeit geschaffen.
Die zum Kauf angebotenen Waren in den Wandregalen, zum Beispiel hochwertige Olivenöle, deuten auf die kulinarische Herkunft der Speisen an. Zwar wird sich auf mediterrane, vor allem ägäische Küche spezialisiert, ich hatte aber eher den Eindruck, die Damen vom Kaliva kochen einfach gute, bodenständige Küche mit den besten Einflüssen verschiedener südeuropäischer Regionen, ohne sich von deren Traditionen einschränken zu lassen. Weder Kürbispasta, noch das am Tag meines Besuchs angebotene Gulasch hätte ich als typische Gerichte aus der Ägäis eingestuft, aber wen stört's: zum Glück sind die Grenzen in der EU ja offen - auch kulinarisch!
Die kleine aber feine Speisekarte ändert sich wöchentlich, man kann sie sich per Mail zuschicken (siehe Website), oder sich einfach überraschen lassen.
Bei Preisen zwischen 5 und 7 Eur wird man hier satt und glücklich.

Idealerweise kommt man nicht zwischen 13-14 Uhr, wenn alle Mittagspäusler aus der Umgebung sich im Kaliva stapeln, aber auch nicht erst um 15:30 Uhr, wenn dann in manch einem der großen irdenen Pötte schon so gähnende Leere herrscht wie im Magen des späten Gastes.

Kaliva
Wielandstr. 37
Berlin Charlottenburg [click here for map]

S Savignyplatz

Tel (030) 31 00 45 50

Mo-Fr: 9.00 –22.00
Sa: 17.00 - 22.00