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Nimmersatt unterwegs: Lissabon

Tartar Fourme d'Ambert im Time Out Mercado da Ribeira
Im Winterdomizil meiner Wahl, Lissabon, gibt es zugegebenermaßen ein überwältigendes Angebot an Fisch und sonstigem Meeresgetier, als Vegetarier hat man es da auf den ersten Blick nicht ganz leicht. Sehr hilfreich ist daher dieser schöner Blogpost meiner Gastgeberin über vegetarische Restaurants in Portugals Hauptstadt, zu dem ich auch meinen Senf beigetragen habe: http://www.sunnylisbon.pt/2016/03/29/vegetarian-menu-in-lisbon/
mosambikanisch bei Cantinha do Aziz
Und dann sind da natürlich noch diese ganzen tollen portugiesischen Kuchen... hach!
Eine Auswahl meiner Lieblinge in Farbe und bunt:

Pastel de Nata muss natürlich sein...
mein Favorit: die Manteigaria Pastéis de Nata Manufaktur, Rua do Loreto 2




















und großartige Schokokuchen...
O Bolo da Nonna, Praça das Flores 41
















A Minha Cozinha, Rua Infantaria 16
















oder auch wunderbare Pavlova...
O Bolo da Marta im Buchladen Ler Devagar, LX Factory

Nimmersatt unterwegs: Weinkontor Mörzheim von Gastbloggerin Gloria (9 Jahre)

Beim Betreten des Restaurants fällt vor allem die Einrichtung auf. Sie ist gemütlich und rustikal. Die Wände sind aus urigem Sandstein und sonst fast alles aus Holz.
In der handgeschriebenen Speisekarte gibt es jede Menge ausgefallene Gerichte: Karamell-Salzbuttereis auf Gewürzbirne, Rindfleischknödel und Flusskrebse in Thai-Curry mit Gemüse und Jasminreis oder Erbsen-Ziegenkäse-Tarte auf Kartoffelrösti und Tiroler Speck und vieles mehr.
Außerdem ist die Bedienung sehr nett. Die Traubensaftschorle (weiss) ist vom Geschmack her sehr süß und schmeckt richtig fruchtig, saftig und richtig lecker. Der Beilagesalat ist nur zu empfehlen: Er ist knackig und ratzig mit Dressing angemacht. Auch die Hauptspeise war vorzüglich: Rumpsteak mit Bratkartoffeln und hausgemachter Kräuterbutter. Die Bratkartoffeln waren schön knusprig und das Steak war schön würzig.
Auch die Dessertauswahl ist groß und gut, genauso wie die Portionen. Am liebsten mag ich die besonders leckere Eisauswahl und das Crème brûlée, mein Bruder Reto (6 Jahre) mag am liebsten das geeiste Nougat und das Maracujaeis.
Das Essen auf dem Foto ist übrigens die Steinpilzpasta von meiner Tante.

Das Essen war ein Gedicht, aber das reicht noch nicht, deshalb fühl ich mich in der Pflicht und schreibe noch ein Gedicht!

Das Weinkontor findet man bald in Landau vor.
Ist es dann noch so toll?
Und immmer noch so voll?
Das weiß keiner so genau
und wer das weiß ist superschlau!
Aber in Mörzheim ist es auch ganz schön.
Aber es ist so heiß, dass  ich mir hier gleich die Haare föhn.
Das ist das Ende vom Gedicht,
besonders sinnvoll ist es nicht.

Weinkontor 
Tel.: 06341-945485

Dienstag und Mittwoch Ruhetag
Sonntag                      ab 12.00 Uhr durchgehend

Nimmersatt unterwegs: Madeira

Frohes neues Jahr wünsche ich noch allen nimmersatten Lesern dieses Blogs! 
 
 
Kurz vor dem Jahreswechsel habe ich noch ein paar Tage Sonne auf Madeira getankt. Neben den herrlichen frisch geernteten Früchten aller Art (darunter auch manch ungewöhnliches, wie Annona, Monsterafrüchte, Tamarillos, Pitangas...) haben mir dort in kulinarischer Hinsicht vor allem die Backwaren gefallen.
Lokale Spezialität ist Bolo do Caco, ein Fladenbrot aus Weizen- und/oder Kartoffelmehl. Serviert wird es noch heiß mit Knoblauchbutter - ein Genuss!
Besonders köstlich und noch dazu riesig war es an einem Stand auf dem Weihnachtsmarkt in der Hauptstadt Funchal, wo die Fladen ganz traditionell auf Platten über offenem Holzfeuer gebacken wurden.
Zur Weihnachtszeit gab es auch überall den feinen Bolo de Mel, ein Gewürzkuchen mit reichlich Zuckerrohrsirup (nicht Honig, wie der Name vermuten lässt). Zuckerrohr, früher Hauptexportgut der Insel, und Honig wiederum sind Hauptzutaten des omnipräsenten Poncha, ein leckerer Rumpunch mit Fruchtsaft.
Ein weiterer Favorit, klein aber gehaltvoll, sind Pastel de Nata, vor allem jene der Pastelaria Galã in Machico. Dieses Konditorei/Café hat eine Theke, die vor lauter Leckereien nur so überquillt, freundlichen Service, guten Kaffee (z.B. Galão) und die quitschigsten Motivtorten, die man sich vorstellen kann.
Auch (wenn nicht sogar vor allem) bei den Locals sehr beliebt, ist dieser Laden immer gut frequentiert, so dass man stets was zu kucken hat.
Und die Pasteis sind wirklich ein Traum. Das ist nicht nur mir aufgefallen - Galã  beliefert auch verschiedene Cafés auf der ganzen Insel mit den kleinen Törtchen.
 

Pastelaria Galã 
Rua General Antonio
Teixeira de Aguiar nº3
9200-094 Machico
Madeira
T: +351291965720

Nimmersatt unterwegs: Budapest

Ungarn, das Land von Gulasch und Salami! So das Klischee und daran hat sich auch nicht wirklich viel geändert. Zumindest ist das das Bild, das sich Touristen auf den ersten Blick hin bietet. Aber zum Glück verhält es sich zumindest in Budapest ähnlich wie in Berlin, der Stadt der Currywürste und Döner: man muss nur ein klein bisschen genauer schauen und schon findet man auch eine Unmenge anderer, oft genug auch vegetarischer Leckereien.
Nicht nur was das Essen angeht, lohnt sich in Pest oft ein Blick in die Hinterhöfe: manchmal sehen sie einfach nur sehr speziell aus, oft genug verbirgt sich darin ein Biergarten, und an Sonntagen sollte man auf jeden Fall den Weg zum Szimpla Kert finden und besser nicht zuviel gefrühstückt haben.

Hier wird sonntagvormittags ein Bauernmarkt abgehalten, bei dem sich Tische, aufgesägte Trabis und Bäuche biegen, vor lauter regionaler, hausgemachter, frischer Köstlichkeiten. Sei es direkt vom Kleinbauern hergestellter Ziegenkäse (gerne geräuchert, geflochten, gekringelt oder in Croissantform!), selbsteingekochte Marmeladen oder Gemüsebrotaufstriche, natürlich Paprika in allen denkbaren Varianten, tollen Blechkuchen, oder auch "Budapesto" mit Kräutern der Umgebung...
Dazu Musik, nette Atmosphäre, Probierhäppchen, nicht wenige Touristen, aber auch eine Menge Anwohner, die sich all diese schönen Lebensmittel auch nicht entgehen lassen wollen.



Und dann gibt es natürlich die berühmten Kaffeehäuser... Bei einem guten Stück Torte kann ich ja nie nein sagen und wenn sie in dem in Budapest üblichen Format (was Größe und Reichhaltigkeit angeht) daherkommen, ist das auch schon eine Mahlzeit. Völlig zurecht berühmt sind die Torten von Gerbeaud. Das seit 1858 bestehende Café Gerbeaud ist quasi das erste Haus am Platze, was Konditorenkunst und feinste Innenstadtlage angeht. Von daher ist es auch nicht gerade billig, es geht eher so in Richtung 1 Forint pro Kilokalorie (und die Torten sind alles andere als diätgeeignet...). Und trotzdem wird man keinen Bissen bereuen. 
Was hier an Kaffee, Kuchen, Torten, süßen Teilchen, Macarons und Sandwiches serviert wird, ist absolut großartig.

Auf dem Weg zum Stadtwäldchen kamen wir am Südostasiatischen Goldmuseum vorbei und haben zufällig von außen ein Schild gesehen, dass das Museum auch ein Teehaus beherbergt. Dieser Zufallsfund erwies sich als ganz besonderes Kleinod. Hier gibt es nicht nur hervorragende Grüntees aus u.a. Vietnam und Laos, Blütentees und Teecocktails, sondern auch ganz wunderbare Kuchen und Törtchen. 
Diese kann man sich entweder im herrlich überschwenglich eingerichteten Innenraum oder auf der sonnigen Terrasse im mit Skulpturen, Wasserspielen und asiatischen Pflanzen gestalteten Garten zu Gemüte führen. Traumhaft!

Nicht allzu weit von der Andrássy útca, wo das Museum mit Teehaus liegt, befindet sich auch etwas versteckt ein hervorragendes veganes Restaurant, das Napfényes. Hier bekommt man tatsächlich auch Gulaschsuppe, allerdings ohne Fleisch, aber nicht weniger herzhaft mit verschiedenen Bohnen, Paprika und Griesklößchen. Diese Vorspeise traf schonmal ganz meinen Geschmack und auch mit dem Hauptgericht, einer vegetarischen Grillplatte für 2, wurden wir nicht enttäuscht.
Besonders lecker waren die mit Gemüse gefüllten, gerollten und mit Sesampanade umhüllten Pfannkuchen (für die Berliner: gemeint sind Eierkuchen, aber in diesem Fall ohne Ei!). Aber auch die senfig marinierten Seitanstückchen, das Rotkraut und die fein gewürzten Stampfkartoffeln und hausgemachten Saucen waren nicht zu verachten.
Sehr gut haben mir auch die frisch selbst hergestellten Limonaden mit Rosenwasser oder Ingwergeschmack gefallen.

Und zu guter Letzt möchte ich noch die an verschiedenen Standorten in der Stadt zu findende Hummus Bar empfehlen. Das Motto dieser kleinen Kette, die sich auf das Beste aus der Kichererbse spezialisiert hat, ist "Hummus is sexy" - da kann ich nur zustimmen!
Ich persönlich kann mich der Erotik von so gutem Hummus, Shakshuka, Falafel und Taboule nicht entziehen. Und will es auch garnicht versuchen, zu schön ist der Genuss...

Szimpla Kert Farmer's Market
VII. ker. Budapest
Kazinczy u. 14.
Jeden Sonntag 9-14 Uhr

Gerbeaud
1051 Budapest Vörösmarty tér 7-8.
Täglich 9 - 21.00 Uhr

Sövény Aladár Teahouse

1062, Budapest, Andrássy út 110
Täglich 10.00 - 19.00 Uhr

Napfényes Etterem
1077 Budapest, Rózsa utca 39
Täglich 12.00 - 22.30 Uhr

Hummus Bar
verschiedene Filialen, manche rein vegetarisch, andere bieten auch israelische Fleischgerichte
Adressen und Karte hier

Teehaus im Japanischen Bonsaigarten Ferch

Juchu, Wochenende! Und in den nächsten Tagen soll es sogar nochmal schön warm werden. Perfekt für einen kleinen Ausflug, z.B. nach Ferch am schönen Schwielowsee. Dort gibt es einen - zu meiner Überraschung - ungemein authentischen japanischen Bonsaigarten mitsamt Teehaus.
Allein die Tatsache, dass jemand irgendwo in Brandenburg Bonsai Bäumchen züchtet und ausstellt, hätte mich nun nicht allzu sehr vom Hocker gehauen. Dass sich hier aber jemand mit größter Hingabe und Perfektion ein kleines Stückchen Japan erschaffen hat, finde ich doch wirklich bemerkenswert. Ein traditioneller Garten mit Pavillon, Koi-Teich, in dem rot-weiß-goldene Flossen im Sonnenlicht aufblitzen, Mooskissen, Krüppelkiefern, Kirschblüte im Frühling, Azaleen im Frühsommer, japanischem Ahorn, der sich im Herbst in wunderschönstes Rot färbt und ein Teehaus mit Blick in die Kieswellen eines Zengartens...
Und der Tee erst: Sencha, genau so wie er sein muss! Angeboten werden verschieden hohen Qualitätsstufen, bio noch dazu und einfach köstlich. Sehr nett und zuvorkommend serviert in hübschem japanischem Geschirr.
Es werden auch verschiedene andere Tees aus aller Welt angeboten, aber meine Liebe zu japanischem Tee und das perfekte Setting lassen eigentlich keine andere Wahl zu, als einen feinen Sencha.
Dazu gibt es ebenfalls sehr authentisch japanische Süßigkeiten, wie Mochi und Yōkan, traditionelles Teegebäck, aber auch ein wechselndes Angebot hausgemachter, leckerer europäischer Kuchen.
Zum Kauf angeboten werden neben Teekannen, japanischen Windspielen und einer guten Teeauswahl auch feine Matchaschokolade, sowie Matchamarzipan.
Wer hätt's gedacht, dass nur eine kleine Radtour von Potsdam entfernt, so ein japanisches Kleinod existiert... Ich bin begeistert!


Japanischer Bonsaigarten
Fercher Str. 61
14548 Schwielowsee / OT Ferch

geöffnet: April bis Oktober, Di bis So 10 bis 18 Uhr

Nimmersatt unterwegs: altbekannter Süßkram einmal anders (Japan)

Wie angekündigt geht es heute nochmal um Süßigkeiten in Japan. Allerdings nicht um die traditionellen, handgefertigten edlen Wagashi, sondern um die gemeinen abgepackten aus dem Supermarkt. Die Dinge, die man glaubt eigentlich so ähnlich in jedem Supermarkt auf der ganzen Welt entdecken zu können. Hier in Japan sind viele davon wirklich eher "so ähnlich" als "genau so". Es gibt zwar Marken, die uns aus Deutschland geläufig sind und auch Formen und Arten von Süßigkeiten, die wir kennen, doch wurden diese an den hießigen Markt angepasst.
Was den meisten Japanbesuchern wohl als erstes ins Auge springt, sind die ungewöhnlichen und sich mit den Jahreszeiten ändernden KitKat Varianten. So gab es zartrosa KitKat mit Sakurageschmack im Frühling, grünweiß gestreiftes Matcha Latte KitKat im Frühsommer und Sommer und ganz neu und neben dem alltime favourite Matcha KitKat mein neuer Stern am Firmament ist Yûbari (Galia?) Melonengeschmack für den Hochsommer. Beeindruckend, wenn auch sehr süß war das Azukibohnen KitKat des letzten Sommers. Auch Nobelsorten mit lokalem Bezug, kreiert von japanischen Patissiers soll es geben, die habe ich aber leider noch nicht ausfindig machen können. Der Wahnsinn kennt keine Grenzen, aber irgendwie muss man mitmachen. Bei ständig wechselnden limitierten Editionen kommt wohl der Jäger und Sammler durch... und lecker sind sie ja auch, wäre da nicht die zu extreme Süße mancher Sorten (Fruit Parfait KitKat war wohl auch so ein Kandidat).
Doch nicht nur Schokoriegel wurden japanisiert, nein, es findet sich auch Eiscreme mit Azukibohnen, die gute alte Bisquitrolle und die rund um die Alpen beliebten Mont Blanc Küchlein (auch bekannt als Vermicelle de Marron)in kleidsamem Giftgrün mit reichlich Matcha, original belgische Waffeln mit original japanischem schwarzen Sesam, lila Softeis mit Süßkartoffelgeschmack oder auch pikante Nussknabbermischungen mit knusprigen Fischbabies darin (für die Nichtvegetarier)...
Diese Liste ließe sich noch endlos fortsetzen und auch bei Getränken wird nicht haltgemacht. Ein totaler Flopp meiner Meinung nach ist das achso sommerliche Fanta Melon Creamsoda - bruah, ich hatte ja schon Schlimmes erwartet, da ich sowieso kein Fan von Softdrinks bin, aber diese Plärre hat meine Befürchtungen noch übertroffen.. Das angekündigte Pepsi Ice Cucumber habe ich (zum Glück?!) noch nicht gesichtet.
Etwas sehr viel Feineres ist da Melonpan, ein weiches süßes Brot ("pan" ist das vom portugiesischen "pão" abgeleitete japanische Wort für Brot), dessen Teig mit Melonenfruchtfleisch gemischt und hellgelb gebacken wird. Diese Köstlichkeit sollte doch zum Abschluss dieses ansonsten ja mal eher auf kulinarisch niedrigem Niveau rangierenden Artikels Erwähnung finden. Zur Ehrenrettung sozusagen.
Wer trotzdem gern mal eine der genannten KitKat Sorten probieren möchte, wendet sich in den Kommentaren an mich, für 5 Eur verschick ich ne Packung :D

PS: sehr unterhaltsame wöchentliche Besprechungen japanischer Süßigkeiten auf Englisch gibt es übrigens bei Giant Jeans Parlor.

Nimmersatt unterwegs: Kuzusakura in Tokyo

Wie bereits erwähnt, halte ich mich momentan in Tokyo auf, darum gibt es heute mal keine Restaurantempfehlung, sondern einen kleinen Bericht über eine meiner schon jetzt zahlreichen Entdeckungen auf japanischem, kulinarischem Gebiet.
Diese hier zu machen, fällt auch wirklich nicht schwer, Essen ist definitiv ein ganz großes Thema in Japan. Man braucht nur den Fernseher einschalten und kann sich sicher sein, dass auf mindestens einem von sagen wir mal fünf Programmen eine Kochsendung kommt und auf einem weiteren Restaurants getestet werden, wobei mindestens 3 mal in der Minute das Wörtchen "oishii" (lecker!) fällt.
Die Restaurantdichte auf den Straßen Tokyos ist sehr hoch, häufig sind diese auf ein bestimmtes Gericht in all seinen Varianten spezialisiert. Diese Spezialisierung führt dazu, dass die Rezeptur aufs äußerste ausgereift ist und eigentlich immer mit sehr viel Können gekocht wird. Hier wird sich nicht verzettelt, sondern ganz aufs Wesentlich konzentriert.
Neben den zahlreichen Restaurants gibt es sehr viele ebenso spezialisierte Lebensmittelläden, die z.B. nur frischen, hausgemachten Tofu verkaufen, oder ausschließlich Reiscracker oder nur Wagashi, feinste japanische Süßigkeiten, die traditionell zum Tee genossen werden.
Wichtig ist in Japan in fast allen Bereichen des Lebens die jeweilige Jahreszeit. Genauso wenig wie jemand einen Kimono mit Sakura-Muster im Herbst tragen würde, käme kaum jemand auf die Idee Yudofu im Hochsommer oder Zaru Soba im Winter zu essen.
Gleiches gilt natürlich auch für Süßigkeiten. So wird im Sommer darauf geachtet, dass diese einen erfrischenden Charakter haben: nicht zäh, klebrig, übermäßig süß und schwer, sondern leicht, feucht, oft jelly-artig, mit einem Hauch von fruchtigem Aroma. Eine solche Spezialität, die nur von Mitte April bis Ende August hergestellt wird, ist Kuzusakura. Dabei handelt es sich um eine Form von Mizu Manju, "Wasser-Süßigkeiten", aus Bohnenmehl hergestellte, glibberige Klöse, meist gefüllt mit süßer Azukibohnenpaste. Im Falle von Kuzusakura hat diese Füllung, wie der Namensbestandteil Sakura bereits verrät, Kirschgeschmack. Diese Klöse werden mit einem Blatt (mal echtes Laub, mal unechtes wie auf meinem Photo) umwickelt, so dass man sie einfacher halten kann, ohne sich die Finger zu verkleben, außerdem sieht das natürlich auch hübsch aus.
Im besten Fall, wie bei diesem für unter 1 Euro in einem schönen Dango-Laden in Shinjuku ergatterten Prachtstück, ist ein Kuzusakura leicht süß, was gut zur Bitterkeit des Grüntees passt, den man dazu trinken sollte, hat nur ein zartes Kirscharoma, um den Geschmack des Grüntees nicht zu verfälschen und erfrischt durch das Kühle des glibberigen Teiges, der trotz unterschiedlicher Konsistenz in etwa die gleiche Festigkeit aufweist, wie die Füllung. Außerdem muss eine solche Süßigkeit frisch zubereitet sein und sollte am selben Tag noch gegessen werden.
Neben Sakura, also Kirsch(blüten)geschmack, sind Matcha (Grüntee), Kurogoma (schwarzer Sesam) und Aprikose, alle meist mit der bereits erwähnten Azukibohnenmusfüllung, die häufigsten Geschmacksrichtungen von Namagashi, den frischen, feuchten Sommersüßigkeiten.
Aber auch aus Europa übernommene Süßigkeiten wurden anhand dieser Zutaten "japanisiert". Dazu demnächst mehr...

Nimmersatt unterwegs: Rebert

Obwohl ich im Moment nicht in Berlin bin, muss ich doch eine Empfehlung loswerden, darum also jetzt die neue Rubrik "Nimmersatt unterwegs"! Das Bedürfnis diese Rubrik ins Leben zu rufen wurde bei mir geweckt durch die Patisserie und Chocolaterie Rebert in Wissembourg. Ein kleines und überfülltes Paradies für all jene, die beim Anblick von perfekten Pralinen, Törtchen, Kuchen, Kakaospezialitäten ebenso dahinschmelzen können, wie diese Köstlichkeiten es zwischen Zunge und Gaumen tun. Allein für dieses Ladengeschäft und Café des bekannten Patissiers und Chocolatiers Rebert, der auch schon das französische olympische Team mit Desserts versorgte, lohnt sich eine Fahrt in den kleinen Ort kurz hinter der deutsch-französischen Grenze. Im linken Schaufenster liegen wunderhübsche Törtchen eng aneinandergeschmiegt, so dass es kaum möglich ist sich zwischen all diesen kleinen Träumen zu entscheiden: Vermicelle de Marron (Kastaniencreme mit entfernter Ähnlichkeit zu Spaghettieis, auf Sahne und einem Mürbeteigboden), oder Törtchen mit Pudding, Karamell und einer himmlischen Erdbeerfüllung, tiefschwarze Schokotörtchen umhüllt von einem hauchdünnen gebogenen Schokoblatt mit einem Hauch Goldstaub... hier werden jedem echten Nimmersatt die Knie weich allein vom Hinschauen!
In der rechten Ladenhälfte türmen sich die Pralinen, Kakaomandeln, Schokokastanien, Nougat, mit Nüssen bestreute Schokoladenpagoden und vieles mehr, was mich vor lauter Kucken meinen Einsatz beim Bestellungaufgeben fast verpassen ließ. Besonders beglückt war ich von der Entdeckung, dass hier in Form einer feinen grünen Praline auch meine Lieblingsgeschmackrichtung zu finden war: Matcha (edelstes japanisches Grünteepulver) mit weißer Schokolade (zu bewundern auf dem Bild oben).
Wer sein Törtchen gleich genießen möchte kann dies im angeschlossenen Café tun. Ein paar Cent billiger ist es sich die guten Stücke einpacken und mitgeben zu lassen. Billig ist freilich nicht das richtige Stichwort hier, wobei generell gesagt werden kann, dass die Preise für alles Gebackene gemäßigt sind, während Pralines und sonstige Schokoladenspezialitäten ein recht teures Vergnügen sind. Aber ein Vergnügen allererster Güte und von daher ihr Geld wert.

Rebert
Mâitre Pâtissier - Chocolatier
7 place du Marché aux Choux

67160 Wissembourg