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Knödelwirtschaft

Der Name ist Programm in der Knödelwirtschaft in Neukölln, hier wird geknödelt was das Zeug hält. Auf der kleinen Karte, die sich häufig ändert, stehen immer vier herzhafte Knödel und ein süßer zum Dessert. Ein weiterer Knödel der Woche findet sich zudem noch auf der Tafel in der Ecke. Um in den Genuss der wohlgerundeten alpenländischen Spezialität zu kommen, empfiehlt sich eine Reservierung, denn die kleine Wirtschaft ist meistens gut gefüllt mit Knödelwilligen. Kein Wunder, denn Käseknödel, Brezelknödel, Steinpilzknödel, Salbei- oder Spinatknödel machen einfach RUNDum glücklich. Je nach Hunger lassen sich Anzahl und Varianten zusammenstellen, alles kommt mit verschiedenen Salaten und geriebenem Käse.
Beim Warten auf einen Sitzplatz standen wir bei unserem ersten Besuch nahe der Küche, sahen den vollen Tellern nach un raunten einander zu wie gut die Knödel doch aussehen, worauf der offenbar hellhörige Koch um die Ecke rief: "Na klar, was hastn gedacht!?!" - süddeutsche Cuisine, Berliner Charme.
Die Beleuchtung ist eher spärlich, darum leider nicht das beste aller Essensfotos, aber einfach lecker! Zudem sind die Preise fair und der Wein günstig. Und die Nachtischknödel sind sooo zart und gut!
Was will man mehr. Kommen Sie, knödeln Sie!

Knödelwirtschaft
Fuldastr. 33
Berlin - Neukölln [hier clicken für Google Maps]

Tel: 030 96600459

Offen:
täglich 18 - 24 Uhr
So: ab 13 Uhr

Häppies

Wählen können sie zur Hälfte zwar leider nicht, aber Mehlspeisen können sie, die Österreicher!
Darum fällt meine Wahl zum Glücklichmacher des Tages auch auf etwas gänzlich Unpolitisches aus unserem Nachbarland: dem Germknödel! Besonders glücklich machen diese Hefeteigbällchen in den farbenfrohen und kreativen Varianten von Häppies im Prenzlauer Berg.
Hier werden Germknödel nicht nur klassisch mit Pflaumenmus (Powidl - so ein schönes Wort!) gefüllt, zerlassener Butter übergossen und mit Mohn gefüllt, sondern auch herzhaft, wie z.B. Curry-Tofu-Füllung mit Mangosauce, oder mit Ziegenkäse-Walnuss-Füllung mit Ruccolapesto und Cranberries serviert. Köstlich!
Bei Häppies sind die Germknödel schön weich und luftig, so wie sie sein müssen. Ganz billig sind sie zwar nicht, aber dafür wird auch an den Beilagen, Saucen und Füllungen nicht gespart. Mit einem deftigen und einem süßen Häppie hat man meiner Meinung nach das Rundumglücklichpaket und ist gut gesättigt!
Dazu gibt es hausgemachte Limonade, passend zur Saison mit Rhabarber - mmmh!
Bei schönem Wetter kann man draußen sitzen, drinnen kann es eng werden.

Häppies
Dunckerstr. 85 [Google Maps]
Berlin - Prenzlauer Berg

Offen:
Di - Fr: 12 - 20 Uhr
Sa - So: 12 - 18 Uhr

Zunfthalle / Arminiusmarkthalle

Nein, die Markthalle Neun ist nicht die einzige Markthalle Berlins, die einen Besuch wert ist. Auch der auf meinem Blog bislang sträflich vernachlässigte Stadtteil Moabit kann mit einer wirklich schönen Markthalle aufwarten. Die unter Denkmalschutz stehende, über 120 Jahre alte Arminiushalle wurde in den 90er Jahren sehr geschmackvoll renoviert und seit 2010 mit neuem Leben gefüllt. Nun finden nicht nur jeden Samstag ein Gourmetmarkt ("Gourminius") und alle paar Wochen ein Kreativmarkt statt, auch an allen anderen Wochentagen kann man hier frische Lebensmittel, Handgemachtes oder auch gebrauchte Comics und Groschenheftchen einkaufen und in den fest in der Halle eingerichteten Restaurants und Imbissständen essen.

Auf den Strohsofas, zwischen den hier überwinternden großen Palmen, oder an der aus extrem dicken, groben Holzbohlen bestehenden Tafel mitsamt Kandelabern, herbstlicher Kürbisdeko und darüber funkelndem Kronleuchter sitzt es sich dabei besonders gut.
Oft gibt es auch noch musikalische Begleitung, meistens Jazz. Beim Gourmetmarkt letzten Samstag wurde Sinatraeskes am Flügel zum Besten gegeben.

Kulinarisch betrachtet, geht es bodenständiger zu als in der Markthalle 9 in Kreuzberg, wo es nicht ausgefallen genug sein kann und sicher 90% der Namen der Speisen beim Bestellen falsch ausgesprochen werden (was zugegebenermaßen schon der halbe Spaß ist. Und ist es nicht ungemein befriedigend trotz mangelhaften Mandarin/Koreanisch/Twi-Kenntnissen am Ende ein herrliches Essen in der Hand zu halten?!). In der Arminiushalle rangiert das Angebot eher zwischen Kaiserschmarrn und Fischbrötchen, Olivenöl und Bouletten, Stullen und Antipasti. Es wird viel Wert gelegt auf Regionalität und gute Qualität der Produkte.

Meine großen und kleinen Begleiter und ich hatten viel Freude an Marillenknödeln
einem gewaltigen Berg Kaiserschmarrn mit Zwetschgenröster
italienischen Oliven, Marmeladenprobierhäppchen und einem köstlichen marokkanischen Fladen gefüllt mit Kartoffeln, Kräutern und Oliven.
Es könnte Berlintypischer kaum zugehen: der Biobäcker hat seinen Stand einträchtig gegenüber des Tabakhändlers, die jute Brutzelecke punktet mit einem "Wer hier meckert wird erschossen"-Schild, und am original Drehort der "Drei Damen vom Grill" lächelt ein Harald Juhnke Porträt immer noch selig über die Mettbrötchen.

Fazit: große Portionen anständigen Essens zu fairen Preisen, schöne Atmosphäre, reichlich zu kucken und zu probieren, viel Kiezcharme ganz ohne Hipster = großartige Mischung! Ich komme bald mal wieder!

Zunft(halle) Arminiusmarkthalle
Arminiusstrasse 2-4
Berlin - Moabit

U9 Turmstraße

Öffnungszeiten:
Montag bis Donnerstag: 7.30 Uhr bis 18.00 Uhr
Freitag: 7.30 Uhr bis 19.00 Uhr
Samstag: 7.30 Uhr bis 15.00 Uhr
Die Restaurants, Weinbar, Biertheke etc haben bis in den späten Abend geöffnet.

Schneeweiss

Schon als ich noch in Japan weilte, wurde mir kräftig von einer Restaurant-Neuentdeckung in Friedrichhain vorgeschwärmt. Mit Käsespätzle und Kräutersaitlingen wurde mir der Mund wässrig gemacht, so dass ich gleich nach meiner Rückkehr nach Berlin unbedingt dieses Restaurant ausprobieren wollte.
Nun hat es doch ein bisschen länger gedauert, bis ich in den Genuss der "alpenländischen" Küche des Schneeweiss gekommen bin, aber das hat die Vorfreude nicht gemindert. "Alpenländisch", das heisst süddeutsche und österreichische Spezialitäten, sowie italienische Einflüsse. Und das scheint schwer in Mode zu sein, in Prenzlauer Berg, Mitte und eben Friedrichshain sprießen trendige Restaurants und Läden aus dem Boden, die sich kulinarisch im Süden der Republik verorten. Vom schwäbischen Bäcker, zum Knödelrestaurant zur Palatschinken Bar (demnächst auf diesem Blog)- es scheinen sich wohl so einige Bewohner eben jener Stadtteile nach Omis Küche zu sehnen...
Mir solls recht sein, ist dies doch eine willkommene Abwechslung zum Thai-Inder-Italiener-Einheitsbrei, der wenig authentisch daherkommt und trotzdem vielerorts die Restaurantszene beherrscht. Dann doch lieber mal Hausmannskost, Wiederentdeckung von Altbewährtem ist ganz und gar keine schlechte Sache!
Und wenn sie dann noch so modern und elegant daherkommt, wie bei Schneeweiss ist das Feinschmeckerherz schnell überzeugt. Obwohl, "schnell" ist wohl das falsche Stichwort... Bei meinem Besuch dort musste ich mich und meinen knurrenden Magen schon ziemlich in Geduld üben - 20 Minuten warten bis überhaupt mal die Karte kommt und über eine Stunde bis das Essen auf dem Tisch steht, finde ich einfach zu lang! Ich habe mir allerdings sagen lassen, dass das sonst nicht so lange ginge. Wollen wirs hoffen!
Wie auch immer: das Warten lohnt sich! Auf der täglich wechselnden Karte finden sich viele schöne Dinge, zum Glück (obwohl das Restaurant wohl für seine Wiener Schnitzel mit lauwarmem Kartoffelsalat berühmt ist) auch viele vegetarische Schmankerln, die die Auswahl nicht gerade leicht gestalten.
Die Kartoffelrolle mit Pfifferlingsfüllung und karamellisiertem grünen Spargel und anderem Gemüse war definitiv eine gute Entscheidung, sehr fein und so noch nie gesehen. Ein gutes Beispiel für die ungewöhnliche, kreative Verwendung von altbekannten Zutaten. Für meinen Geschmack hätte (jaja, typisch süddeutsch) ein wenig mehr Sauce nicht geschadet. Aber naja, lieber ein bisschen trocken als in Saucenkleb erstickt, wie der allgegenwärtige Gemüseteller im Landgasthof jeder deutschen Provinzstadt. So kam das Aroma der einzelnen Zutaten schön deutlich heraus, sowohl der Eigengeschmack der Kartoffeln aus denen der "Teig" der Rolle bestand, als auch das der Pilze, sowie des lecker-knackigen Gemüses.
Die hausgemachten Ravioli mit Dörrtomaten-Ricotta-Füllung meiner Begleiterin waren auch wunderbar, wenn auch nicht ganz so überraschend und raffiniert wie die Kartoffelrolle. Die Ravioli hatten die Größe von Maultaschen und waren schön bissfest. Die Füllung war wunderbar intensiv fruchtig-tomatig, da das Aroma einer getrockneten Tomate ja viel konzentrierter ist als in ihren frischen Artgenossen.

Beide Gerichte waren reichlich und und gut füllend, Überlegungen ob an einem heißen Sommertag eine leichtere der alpenländischen Küche vorzuziehen wäre entgegenkommend jedoch zum Glück ohne tonnenschwer im Magen zu liegen.
Wer wie ich nicht so ein Weintrinker ist, dem sei zur Rhabarber-Schorle geraten - sehr erfrischend!

Fazit: empfehlenswert zu allen Jahreszeiten, sowohl zum Draußensitzen, als auch zum Aufenthalt im dem Namen alle Ehre machenden chic ganz in Weiß gehaltenem Innenraum. Reservieren sollte man unbedingt und etwas Zeit einrechnen vorsichtshalber. Außerdem Vorfreude auf ein tolles Essen mitbringen.
Und vielleicht nochmal bei der Bedienung nach der Story zu ihrem Mieze-Tatoo fragen. Die Geschichte, das ihre sämtlichen drei heißgeliebten Kater so hießen, es darum zu ihrem Spitznamen wurde und sie dann auch noch einen Mann kennen- und liebengelernt, der genauso hieß, klang doch fast zu schön um wahr zu sein... ;)


Schneeweiss

Simplonstr. 16 [click here for map, please]
Berlin-Friedrichshain