Le Midi


Wie lässt sich das neue Jahr schöner beginnen, als mit gutem Essen? Schließlich soll der Jahresanfang ja symbolisch für den Rest des Jahres stehen und dieses soll so viele kulinarische Genüsse mit sich bringen, wie nur irgend möglich. Meiner Meinung nach ist das Leben zu kurz und der Magen zu begrenzt, um schlecht zu essen, also sollte man sich, wenn man dazu die Möglichkeit hat, den Hunger gut einteilen und nur gute Dinge zu sich nehmen. Um diesem Vorhaben gerecht zu werden, beherbergt die eher unscheinbare Greifenhagener Str einige meiner Lieblingsadressen: neben der wunderbaren Zuckerfee und A Magica ist nun auch noch das korsisch/französische Bistro Le Midi hinzugekommen. Das hübsch grün-weiß eingerichtete Le Midi gibt es zwar schon länger, aber erst in letzter Zeit bin ich in den Genuss gekommen, dort zu essen.
Bei meinem ersten Besuch hab ich mich an einem heißen Apfelsaft mit Zimt und an einem großes Stück Lauch-Ziegenkäse-Quiche mit einem Riesensalat erfreut. Meine Begleitung hatte ein sehr feines Birnenküchlein. Ich bin mir ziemlich sicher, dass dieses und die anderen Törtchen und Kuchen aus der hervorragenden Patisserie Albrechts stammte.

Heute bin ich gleich nochmal im Le Midi gewesen, diesmal zum Frühstück, und wurde wieder nicht entäuscht. Die Frühstückskarte ist zwar nicht allzu umfangreich, so gibt es Ei z.B. nur hartgekocht, kein Rührei etc, aber dafür sind die Komponenten hochwertig: ein Traum von weich-schmelzendem Käse, wunderbar fruchtige hausgemachte Marmeladen, frisches Obst, Croissants, feine Tees und wenn ich die Geschwindigkeit, in der der Cappuccino meines Mitfrühstückers getrunken war, richtig deute, auch guten Kaffee... Einzig Baguette hätte es ein-zwei Scheiben mehr geben können, aber ich habe auch nicht nach Nachschub gefragt, also will ich da mal nicht meckern.
Die Idee alles auf Holzbrettern zu servieren, passt sehr gut zu den schlichten, ehrlichen Gerichten. Die Frühstückspreise bewegen sich ungefähr zwischen 4 und 7 Eur und sind somit völlig in Ordnung.
Wer gerne etwas vom Genuss mit nach Hause nehmen möchte, kann dies hier problemlos tun, denn das Le Midi ist auch ein Laden: an der schön froschgrünen Wand sind eine Menge weißgestrichener Obstkisten als Regale angebracht, die gefüllt sind mit allerlei französischen Spezialitäten. Von Feigenmarmelade, über Sirup und Cremant Sekt, bis zu Confit - es gibt einiges zu entdecken!


Le Midi
Greifenhagenerstr 17
Berlin-Prenzlauer Berg [click to see map]

Si An Tra

Schon vor langem habe ich auf diesem Blog das vietnamesische Restaurant Si An empfohlen. Mittlerweile ist dieses ganz schön überlaufen, doch an der Qualität der Speisen und ihrer außergewöhnlichen Präsentation und der liebevollen Dekoration des Restaurants selbst und des kleinen Stein- und Moosgartens vor der Tür hat sich meiner Meinung nach zum Glück nichts geändert. (Andere haben leider andere Erfahrungen gemacht).
Der Grund dafür, dass ich hier noch einmal auf das Si An zu sprechen komme, liegt an einer süßen Erweiterung des Restaurants um ein kleines Teehaus nebenan, dem Si An Tra, in dem wirklich ganz herrliche vietnamesische Desserts angeboten werden.
Dies ist etwas, was bisher in Berlin, wenn nicht sogar in ganz Deutschland, absolute Mangelware war. Die wenigsten vietnamesischen Restaurants haben eine nennenswerte Dessertkarte, wenn überhaupt gibt es wie leider in fast allen asiatischen Lokalen unsäglich-todfritierte gebackene Banane mit Honig oder Vanilleeis mit "exotischen" Früchten (Ananas und Lychees aus der Dose und eine Cocktailkirsche *schauder*...).

Das Si An Tra verschont einen nicht nur mit solchen Gemeinheiten, es verwöhnt einen ganz im Gegenteil mit Köstlichkeiten, die überraschen durch ihre perfekte Verschmelzung typisch vietnamesischer und französischer/"westlicher" Elemente. Ob dies nun historisch in der Kolonisation ihren Ursprung hat oder eher heutig und hiesig ist, sei dahingestellt, jedenfalls ist es eine äußerst gelungene Mischung!

Da gibt es wunderbar-saftige Babybananenkuchen, mit samtiger Kokoscreme gefüllt und mit gerösteten, zerstoßenen Erdnüssen bestreut oder großzügig mit reichhaltiger Schokoerdnusscreme bestrichen. Klassische weiche Reisküchlein, gefüllt mit süßem Bohnenmus in verschiedenen Geschmacksrichtungen (z.B. Grüntee, Sesam, Taro, etc), die zwar sehr klein sind, aber durch ihre Intensität überzeugen. Die aus dem Restaurant bekannten Kokosmilch Panna Cottas mit Fruchtsoßen, serviert im Einmachglas sind ebenso im Angebot wie Banh Bo, ein quietschgrüner (aber wohl ohne künstliche Farbstoffe, sondern nur mit Pistazien gefärbte) Bisquit, gekrönt mit der bereits erwähnten feinen Kokoscreme. Oder verschiedenste hausgemachte Kekse. Oder sagenhafter Grüntee-New York Cheesecake... herrliche Welt!
Alle Desserts sind nicht so stark gesüßt, wie man es sonst aus Asien gewohnt ist. Wahrscheinlich eine Anpassung an den mitteleuropäischen Geschmack, die hier ausnahmsweise mal mein Wohlwollen findet.

Zudem gibt es natürlich sehr gute Tees, die erstaunen: so schwimmt in der großen Teeschale noch allerhand anderes, als das was man normalerweise bei einem Grüntee, Jasmintee, Hibiskustee oder Ingwertee erwarten würde. Vielleicht nichts für Puristen, zumal man auf die ungewöhnlichen Zusätze bei der Bestellung nicht hingewiesen wird, aber lecker und auch sehr hübsch anzuschauen sind die Tees allemal. Man sollte sich einfach überraschen lassen! (Rechts in meinem Photo ist allerdings die Tischdeko, man muss etwas aufpassen, dass man nicht zur falschen Schale greift... ;))
Ein weiterer kleiner Tipp: wie bereits erwähnt ist das Si An Restaurant nebenan abends meistens knallvoll, während im Si An Tra nicht so viel los ist. Wer also im Restaurant keinen Platz mehr findet oder auch keine Lust hat sich zusammen mit oberhippen Fremden auf eine Bank zu quetschen, bekommt auch einige Gerichte von der Tageskarte im Si An Tra. Man kann sich also zum Beispiel erst an einem spritzig-würzigen Pomello-Salat oder einem wärmenden Kokoscurry mit Tofu erfreuen und sich danach noch eine der wahnsinns Nachspeisen gönnen. Oder zwei...

Si An

Rykestr. 36
Berlin - Prenzlauer Berg [click to see map!]

U2 Eberswalder Str, Tram M10 Husemannstr.

YamYam

YamYam klingt für mich nach yummy yummy und so gesehen ist der Name Programm. In diesem noch recht neuen Imbiss in der Alten Schönhauser Allee, wird simple aber feine koreanische Küche geboten. Neben Standards wie Bibimbab , serviert im traditionellen Steintopf, und der koreanischen Maki Sushi Version Kimbab werden hier auch Besonderheiten wie zum Beispiel "Pancakes" aus Mungbohnenmehl mit Gemüse angeboten. Herzhaft, am Rand schön knusprig ansonsten weich und zudem reichlich, mit einer schönen Portion hervorragendem Kimchi , dem scharf eingelegten Kohl, der bei keinem koreanischen Essen fehlen darf, hinterlässt er ein äußerst wohliges Gefühl. Genau das Richtige für kalte, regnerische Herbstabende! So ein Essen hebt die Stimmung!



Lecker sind auch die Mandu, gedämpfte Teigtaschen, die glücklicherweise auch mit vegetarischer Füllung angeboten werden.
Überhaupt ist für Vegetarier einiges auf der Karte zu finden, die im Übrigen gänzlich in englischer Sprache gehalten ist, womit man wohl der hippen Lage und dem dort gehäuften Touri-Aufkommen gerecht werden will. Der ein oder andere wird sich sicher über die "steamed Mandu in bamboo cabbage" wundern... Im Deutschen wäre die Verwechslung der Vokabeln Kohl und Korb irgendwie naheliegender. Naja, egal, Hauptsache es schmeckt und das tut es allemal!
Die Preise sind für Mitte und für die gebotene Qualität angemessen, die vegetarischen Hauptgerichte kosten ca. 6 - 7 Eur.
Die Raumgestaltung ist schlicht, weiß, stylish und gefällt, auch wenn sie trotz einer riesigen Magazinauswahl nicht gerade zum gemütlichen, langen Verweilen einlädt. Aber das ist auch in Ordnung, denn das YamYam ist eher Imbiss als Restaurant. So muss man auch am Tresen bestellen und bezahlen und wird dann ausgerufen, sobald die Speisen bereitstehen.
An Getränken gibt es auch einige koreanische Spezialitäten - sehr erfreulich!
Und auch zum Nachtisch werden landestypische Desserts angeboten, Reiskuchen oder Eis mit süßen Bohnen, etc. Das möchte ich ein andermal auf jeden Fall auch mal noch austesten.
Ich habe das YamYam rundum zufrieden verlassen und werde bestimmt wiederkommen!

YamYam Korean Cuisine

Alte Schönhauser Straße 6
Berlin - Mitte [click for map!]

Tel: 030 2463-2485

geöffnet: tägl. 12-23 Uhr

U2 Rosa-Luxemburg Platz

Maria Bonita

Ohne je in Mexiko gewesen zu sein, bilde ich mir ein zu merken, ob mir vorgesetztes mexikanisches Essen authentisch ist oder fake.
Kriterium Nr 1: schmeckt es frisch und gut oder wird man mit minderwertigen Zutaten abgefertigt? Kriterium 2: schmeckt es überraschend anders wie der Tex-Mex-Taco-Kram, den man überall in Berlin und fast jeder deutschen Kleinstadt bekommen kann, á la mit Analogkäse (was lieb ich dieses Wort!) überbackene Maischips aus der Tüte, angerichtet mit einer Créme Fraiche-Mayonaise Mischung, Eisbergsalat und beträufelt mit Tabasco...
Kriterium 3: werden die Tacos, Nachos, Burritos, etc selbstgebacken?
Alle diese Kriterien erfüllte bisher, soweit ich weiß, nur ein mexikanisches Restaurant in Berlin, das hier bereits besprochene Viva Mexico. Nun ist noch ein mexikanisches Bistro dazugekommen, das mich und viele andere, die es scheinbar wissen müssen, ebenso überzeugte. Das vor wenigen Monaten eröffnete Maria Bonita ist ein eher unauffälliger Laden in der Danziger Str, der erst durch einen Blick auf die Teller und die zufriedenen Gesichter der dort Essenden ins Auge springt.
Laut dem Flyer von Maria Bonita gibt es hier "No rice burritos. No black olives. No corn kernels. No chicken wings." Ok, es wird sie hier keiner vermissen. Schließlich gibt es wunderbare, hausgemachte Fladen aus Mais- oder Weizenmehl, mal knusprig, mal weich. Aus feinen Avocados selbst zubereitete Guacamole, in der ich am liebsten eintauchen möchte. Eine Art Buttermilch(? weiß jemand, was das genau ist?) anstatt der sonst häufig anzutreffenden Sour Cream. Herrliche hausgemachte grüne und rote Salsa zum selbst nachpeppen, je nach Geschmack. Frische Limetten zum Beträufeln der Gerichte. Und wer's mag, bekommt auch mexikanisches Bier.
Auf meinem Photo zu sehen ist eine recht füllende und sehr glücklichmachende Vorspeise, die Hauptgerichte sind entsprechend üppiger.
Dafür, dass alles frisch zubereitet wird, wartet man nicht zu lange und zahlt auch nicht zu viel.

Drinnen gibt es nur wenig Platz, also sollte man sich beeilen, um auf den draußen stehenden Bänken noch die letzten Sonnenstrahlen des hereinbrechenden Herbstes zu ergattern. Das tolle Essen entschädigt für kalte Füße und die Auswahl an scharfen Salsas heizt glücklicherweise ja auch ein.

Maria Bonita
Danziger Str. 33 [click here to see map]
Berlin - Prenzlauer Berg

geöffnet ab 12 Uhr (open end)

... und die passende musikalische Untermalung darf natürlich auch nicht fehlen :)

Crêpestation

Alle Liebhaber von Crêpes mit jeglichen denkbaren und undenkbaren Füllungen sollten schleunigst eine Pilgerfahrt in die Pappelallee unternehmen. Hier findet sich die Crêpestation, sozusagen das Lourdes für all jene, die sich crêpetechnisch schon immer mal so richtig die Kante geben wollten. Ein Crêpe gefüllt mit Erdbeeren, Sahne, Vanillecreme, Käsekuchen und Caramellsauce gefällig? Kein Problem, in diesem Fall empfehle ich von ganzem Herzen die Nummer 5 der Speisekarte.
Oder vielleicht doch lieber ein Brownie mit Kirschen, Sahne und Schokosauce, gehüllt in einen Crêpe? Ebenfalls ein Standard vom Menü der Crêpestation. Auch eine Kugel Eis fühlt sich wohl mit ihren Freunden, den Kirschen und den Pfirsichen, kuschelig eingehüllt in einem zarten Crêpe...


Klingt zu gut um wahr zu sein? Klingt zu groß um davon abzubeißen? Klingt nach gefühlten 5000 Weight Watcher Punkten? Mag sein, aber diese Crêpes gibt es wirklich, sie lassen sich nur allzugut essen und sie machen glücklich! Und wie!
Für weniger Waghalsige gibt es natürlich auch simplere Versionen, wie ganz klassisch mit Zimt und Zucker oder Banane-Schoko oder mit gemischtem Obst. Auch einige herzhafte Crêpes werden angeboten, die allerdings als Vegetarierschreck dienen könnten: Füllungen wie Fleischbällchen mit Ketchup und Salat, Schinken und Ei, Shrimp oder Chicken Teriyaki überlasse ich gerne anderen.

Mich macht die Crêpestation doppelt glücklich, erinnert sie mich doch sehr an die kleinen Crêpe-Lädchen in Harajuku, die wiederum bevorzugte Pilgerstätten Tokyoter Schülerinnen sind. Nicht nur wegen der fantastischen Crêpesplastiken im Schaufenster, quasi als 3D-Speisekarte. Nicht nur wegen des hier ebenfalls angebotenen japanischen Softdrinks Calpico (in Japan Calpis, wegen der in deutschen und englischen Ohren eher unappetitlichen zweiten Silbe im Ausland umbenannt). Sondern auch, weil sich dort ebenfalls gerne mal Käsekuchenstücke und andere köstliche Überhöhungen von Essensphantasien im "Kurepu" finden. Auch bei der bereits erwähnte Chicken Teriyaki Füllung weht der Wind ja aus fernöstlicher Richtung...

Bedient wurden wir ebenfalls freundlich, da ließ sich gar nichts aussetzen. Und obwohl wir es vorzogen draußen in der Sonne zu sitzen, hatten wir sehr viel Bewunderung für die stilvollen Tapeten und die schlichte, schöne Inneneinrichtung übrig. Sogar die Toilettenräumlichkeit wurde von meiner Mittesterin ausdrücklich lobend erwähnt.

Also rundum empfehlenswert! Ich werde nun sicher öfter an der Crêpestation halt machen und mir den Nachmittag versüßen lassen. Hmmmmm...

Crêpestation
Pappelallee 58
Berlin-Prenzlauer Berg
Tel: 030/36447105